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Medien zum Sturm aufs Kapitol : „Ein krimineller Akt, außergewöhnlich und furchtbar“

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Mehrere amtierende und ehemalige Mitglieder von Trumps Regierung drängten den Präsidenten auf den sozialen Netzwerken zum Eingreifen. Alyssa Farah, vormalige Stabschefin von Trump, schrieb an Trump: „Verurteilen Sie dies jetzt! Sie sind der einzige, auf den diese Leute hören! Für unser Land!“ Und ein weiterer ehemaliger Stabschef, Mick Mulvaney, forderte den Präsidenten auf: „Sagen Sie diesen Leuten, dass sie heimgehen sollen.“

Auch bei Fox News zeigte sich Fassungslosigkeit. „Dies ist ein krimineller Akt, außergewöhnlich und furchtbar“, hieß es auf dem Sender, der lange als Stichwortgeber Trumps galt und nach dessen Wahlniederlage im November und der offiziellen Anerkennung von Joe Bidens Wahlsieg den Zorn Trumps auf sich zog. „Der Mob hat die amerikanische Demokratie gekippt“, urteilte ein Kommentator. Viele Politiker, die Trump mit Blick auf seine Basis den Rücken freigehalten hätten, würden dies wohl nun bereuen, hieß es bei Fox News. „Unterschätzen Sie dies nicht, es hat sich heute in der Republikanischen Partei etwas verändert“, sagte ein Analytiker.

Zugleich probte man hier freilich weiter die bewährte Gratwanderung: So wertete man die Attacke aufs Kapitol als Tat „unamerikanischer Anarchisten“ und „terroristischen Akt“ sowie als „Bärendienst für Trump. Ein Reporter des Senders berichtete, dass die Leute am Kapitol eine „Revolution“ im Sinne hätten, auch wenn er sich beeilte, hinzuzufügen: „Ich betone, dies sind die Stimmen, die ich hier eingefangen habe.“ Man sprach von „falschen Patrioten“ – aber Sarah Palin, einstige Vizepräsidentschaftskandidatin, durfte die Schuld für den „Aufstand“ bei den traditionellen Medien und der vermeintlichen Antifa-Bewegung suchen und die Sehnsucht nach einer „dritten Partei“, also einer neuen rechtspolitischen Vereinigung unter Trump, zum Besten geben.

Auf Parler, der vermeintlich „unzensierten Alternative“ zu Twitter, blieb es indes seltsam still – Fox News-Moderator Sean Hannity teilte bloß die späten und verhaltenen Botschaften Trumps an die Aufständischen („bleibt friedlich“), sein Kollege Tucker Carlson meldete sich zunächst nicht zu Wort, ebensowenig wie die Trump-Apologetin Maria Bartiromo, die lieber über eine Unterschriftenaktion verbreitete, die den New Yorker Gouverneur Cuomo von einer Sportveranstaltung der Buffalo Bills verbannen will.

Auf den von Trump im Rahmen seiner Fehde mit Fox News favorisierten winzigen Nachrichtenkanal Spartenkanälen Newsmax und One America News blieb man weiter der alternativen Realität des Trump-Universums verhaftet. Auf Newsmax unterstellte man, ultralinke Demonstranten seien verantwortlich für die Übergriffe. Bei One America Network schämte man sich nicht, die Vorgänge als „Unsinn“ zu verniedlichen. Empörung gab es hier stattdessen für die Entscheidung von Twitter, Trump-Tweets zu den Vorgängen zu blockieren.

Der Präsident hatte darin neben der Aufforderung an die Demonstranten, „gehen Sie nach Hause“ abermals behauptet, die Wahl sei ihm gestohlen worden. Rudy Giuliani kam mit der Einschätzung zu Wort, angesichts der Ausschreitungen, die er in New York erlebt habe, sei dies gar nichts, und der Moderator sprang ihm bei – kein Vergleich zu der Gewalt, die bei „Black Lives Matter“-Protesten zu beobachten gewesen sei. OAN bot außerdem einen bulligen Demonstranten namens Steve ein Forum, der in Veteranenkappe und militärischem Outfit unwidersprochen sagen durfte, er finde es beschämend, dass diese Nation „keine fairen und transparenten Wahlen abhalten kann“. Ebendies habe diese Proteste hervorgerufen. Man werde am Tag darauf wieder vor Ort sein. Ein Kommentator bei CBS stellte die Frage in den Raum, die sich viele stellten: Erleben wir gerade das Ende einer Entwicklung oder den Beginn?

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