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Prominente pflegen ihre Marke : Wein, Tennis und ein guter Listenplatz

Der Wein stammt nicht von Jauchs Weingut, aber er hat die Cuvées entwickelt. Bild: obs

Günther Jauch stellt jetzt auch als Winzer die Preisfrage. Helmut Markwort stellt seinen Jahrgang in den Dienst der FDP. Martina Navratilova fühlt sich unterbezahlt. Hat das A: Etwas miteinander zu tun? Und B: Wenn ja, was?

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          Der oder die ist echt eine Marke, sagte man früher einmal, wenn man einen originellen Menschen getroffen zu haben glaubte. Heute dagegen will jeder sich selbst zur Marke machen, ob originell oder nicht, um sich nebst Nebenprodukten möglichst lukrativ zu vermarkten. Das gilt für Youtube-Sternchen und Instagram-Möchtegerns ebenso wie für traditionelle Fernseh- oder Mediengrößen oder einstige Sportheroen.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Und was sich alles für famose Nebenerwerbe auftun, wenn man hauptberuflich berühmt ist! Günther Jauch gibt es zwar nicht mehr als gleichnamige Talksendung, dafür aber seit Neuestem original abgefüllt und verkorkt bei Aldi. Dort vertickt der Moderator und Freizeitwinzer nun Rot- und Weißwein unter seinem guten Namen. „Günther Jauch“ steht auf den Etiketten, doch Rebensaft vom Jauchschen Weingut „Von Othegraven“ ist nicht in den Flaschen, sondern ein Verschnitt von Allerlei von Vielerorts für 5,99 Euro, dessen Geschmack Jauch „mitenwickelt“ habe. Da lautet die Preisfrage: Mundet dieser Tropfen A nach Holz, B nach Kork, C nach Gerbstoffen oder D nach Alkohol? Wir wissen es nicht, wünschen aber: Wohl bekomm’s.

          Da geht Helmut Markwort, der ehemalige „Focus“-Chefredakteur mit dem Fakten-Mantra, den Umgang mit seiner Marke in der Freizeit doch nüchterner an. Für die FDP will er in den Bayerischen Landtag einziehen. Auf Listenplatz 32 stehen die Chancen für den 81 Jahre alten Liberalen dafür nicht allzu gut, aber auch nicht allzu schlecht. Das Glas ist also halbvoll oder halbleer, je nachdem, wie man es betrachtet.

          Was uns zu Martina Navratilova führt, die ihr eigenes Glas nicht nur etwa für halb gefüllt hält, sondern als zu neun Zehnteln leer beklagt. Die BBC, zürnt die ehemalige Weltranglistenerste im Damentennis, zahle ihrem Kollegen John McEnroe, gleichfalls Weltranglisten-Anführer außer Diensten, als Sportkommentator mindestens zehnmal so viel Honorar wie ihr. Nun ist die BBC als öffentlich-rechtlicher Sender gewordener Gender-Paygap-Lordsiegelbewahrer des Vereinigten Königreichs inzwischen notorisch, aber könnte es eventuell auch sein, dass der Unterhaltungswert von John McEnroe zehnmal größer ist als der von Martina Navratilova? Geben Sie doch nur einmal McEnroe und Stockholm 1984 als Suchbegriffe bei Youtube ein. Unbezahlbar.

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