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„Social Bot“-Kommentar : Panikmache der Medien

  • -Aktualisiert am

Facebook und Twitter: Social Bots können hier mit von der Partie sein. Bild: dpa

Die Furcht vor „Social Bots“ geht um. Sie ist so groß, dass manche Berichterstatter eine Studie über das Phänomen gründlich missverstanden haben.

          Spätestens seit der Debatte um den Migrationspakt haben Medien und Politik das Phänomen „Social Bots“ entdeckt – also den Umstand, dass Benutzeraccounts in sozialen Medien, hinter denen Computerprogramme stecken, darauf programmiert sind, Debatten zu beeinflussen. Nach einer Untersuchung der Firma „Botswatch“, die vor einigen Wochen einen manipulierenden Effekt von „Social Bots“ behauptete, wird das Thema so heiß gehandelt, dass die Bundesregierung sogar eine „Kennzeichnungspflicht“ für Bots in Erwägung zieht.

          Der Beweis, dass diese tatsächlich ein relevantes Problem darstellen, steht aber noch aus. Daran ändert auch eine im „European Journal of Information Systems“ veröffentlichte Studie nichts, die von etlichen Medien im Alarm-Modus weiterverbreitet wurde. In der Berichterstattung hieß es etwa, schon „wenige Bots“ könnten die „Stimmungen in sozialen Medien deutlich beeinflussen“. Meldungen dieser Art verfälschen den Charakter der Studie allerdings drastisch. Der Forschergruppe um den Informatiker Björn Ross von der Universität Duisburg-Essen geht es in ihrem Journalartikel zwar um die Beeinflussung von Online-Debatten in sozialen Netzwerken durch Bots, doch handelt es sich um eine Simulation, inklusive der angeblich beeinflussten Accounts.

          Die Untersuchung ist theoretischer Natur

          Die Untersuchung ist theoretischer Natur, es ist ein Modell. Den Forschern ging es darum, einen „Mechanismus zu demonstrieren, mittels dessen Bots die Normen, die von den Nutzern sozialer Netzwerke übernommen werden, beeinflussen können“. Dafür modellierten sie ein Netzwerk, das menschliche Online-Interaktion zu imitieren versucht. Sie programmierten die künstlichen Nutzer beispielsweise so, dass sie darauf verzichten, sich zu äußern, wenn das Meinungsklima von ihrer eigenen Ansicht stark abwich. Um zu simulieren, wie sich der Einsatz von „Social Bots“ in einer solchen Schweigespirale auswirken würde, haben die Computeranalysten auch strategisch agierende Nutzer einbezogen, die gezielt darauf hinarbeiten, die vorherrschende Meinung zu ihren Gunsten zu verschieben. Das Ergebnis: „Eine Bot-Beteiligung von nur zwei bis vier Prozent in einem Kommunikationsnetzwerk kann ausreichen, um das Meinungsklima radikal zu verändern.“

          Die Studie legt also ein theoretisches Modell vor, das dazu dienen könnte, die Beeinflussung durch „Social Bots“ in der Realität zu prüfen. Die Einflussnahme selbst ist damit nicht erwiesen. Florian Gallwitz, Professor für Computer Science in Nürnberg, schrieb etwa auf Twitter, es handle sich um eine „rein hypothetische Simulationsstudie“, die „weder Belege für die Existenz von ‚Social Bots‘ noch für deren Wirkung benötigt oder präsentiert“. Das sei so, fügte er sarkastisch hinzu, als würde eine Studie herausfinden, dass, „wenn es Einhörner gäbe, die versuchten, Tiger mit ihrem Horn zu erstechen, Tiger sich widerstandslos durch Einhörner erstechen ließen“, die „Tigerpopulation möglicherweise abnehmen“ würde.

          Auch in einem solchen Fall wäre die Schlagzeile, „Einhörner rotten Tiger aus“, wohl nicht gerechtfertigt. Dass die Untersuchung aus Duisburg theoretischer Natur ist, hätte eigentlich jedem auffallen können. Ist es aber nicht. Es scheint, als ähnele die Debatte zum Thema „Desinformation“ mittlerweile ihrem Gegenstand.

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