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Mit Netflix nach Nigeria : Und heute fahren wir mal nach Lagos

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Eine Szene aus dem nigerianischen Film „10 Days in Sun City“ Bild: Screenshot F.A.S.

Urlaube in der Ferne werden in Zukunft schwieriger zu gestalten sein. Mit etwas Phantasie und einem Netflix-Zugang kann man trotzdem verreisen. Unser Autor hat den Selbstversuch mit Filmen aus Nigeria gewagt.

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          Man mag es für eine Spitzfindigkeit halten, ob man in diesen Tagen besser „um“ seine engere Wohnumgebung reist (wie es Xavier de Maistre in seiner „Reise um mein Zimmer“ formuliert hat) oder „durch mein Zimmer“ (wie es Karl-Markus Gauß vorschlägt), in jedem Fall stößt die Exkursion „aus“ dem Daheim meist schon sehr früh auf Grenzen. Und Reisen im eigentlichen Sinn wird es womöglich noch längere Zeit nicht geben. Schon Meckpomm will keine Berliner sehen, und Italien ist von der Seuche noch viel zu mitgenommen, um auch nur daran zu denken, wann wieder Kreuzfahrtladungen von Menschen über die Rialtobrücke geschleust werden können.

          Es ist eine Zeit des Reisens mit den Mitteln der Vorstellungskraft. Anregungen für die noble Tätigkeit des „armchair travelling“ oder den etwas profaneren Sofa-Tourismus findet man allerorten. Eine vergleichsweise selten ausreichend beachtete bietet Netflix. Der Streamingdienst zählt derzeit, wie auch alle anderen amerikanischen Datengiganten, zu den großen Gewinnern des schützenden Stillstands. Allerdings zeigt sich gerade in diesen Tagen eine Merkwürdigkeit, die an der Benutzersteuerung des Video-on-Demand-Portals auch schon früher auffiel: Es hat fast ein wenig den Anschein, als wolle Netflix gar nicht, dass die Abonnenten so richtig in die Tiefe – oder in die Weite – des Angebots kommen.

          Seit zwanzig Jahren boomt Nollywood

          Die Startseite zeigt sich jedenfalls relativ hartnäckig mit ihrer Konditionierung auf die aktuellen Spitzentitel, und man muss ein Weilchen mit der persönlichen Liste gegensteuern, bis sich erste Indizien von Vielfalt zeigen. Netflix ist ja global tätig, hält also auch sehr viel internationalen Content vor. Begibt man sich da erst einmal auf die Suche, stellt man schnell fest, dass es auch noch ganz andere Netflixe gibt als das amerikanische und das deutsche: ein philippinisches, ein indisches, ein türkisches, ein brasilianisches. Und auch ein nigerianisches. Man hätte irgendeines dieser Länder für den kleinen Selbstversuch nehmen können, auf dem dieser Text beruht: mit Netflix eine Woche in einem anderen Land zu leben, zusätzlich zu der Klausur in Deutschland.

          Nigeria ist aus verschiedenen Gründen eine gute Anlaufstelle für ein derartiges Wahrnehmungs- und Vorstellungsreiseexperiment – sich also nicht einfach einen Film oder eine Serie anzusehen, sondern eine konkrete Industrie, in der Formatierung, die Netflix natürlich mit sich bringt. Seit bald zwanzig Jahren boomt in Nigeria eine Filmbranche, die sich sehr schnell aus teilweise sehr einfachen Umständen zu einem Milliardengeschäft entwickelt hat. Anfangs brauchte es nur eine einfache Consumer-Videokamera, ein Schnittprogramm und die allgegenwärtigen halböffentlichen Fernsehgeräte, die als „Kinos“ fungierten, um Nollywood zu lancieren. Das Label kam in dem Moment, in dem nicht mehr zu übersehen war, dass da eine Nation auf audiovisuelle Selbstversorgung umgestellt hatte, also sich nicht mehr nur aus Hollywood und Bollywood beliefern lassen wollte.

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