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Wie man Fragen begegnet : Antworten als der, der man ist

Zwischen „Na“ und „Ja“: Bundesaussenminister Heiko Maas, SPD, im Rahmen der Kabinettssitzung der Bundesregierung in Berlin Bild: Imago

Nicht „Nanu?“, „Nana!“ oder etwa „Hä?“ Als Einleitung zur Beantwortung einer Frage, suggeriert „Na ja“, in der Sache zehnmal besser Bescheid zu wissen als der Fragesteller.

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          Der Außenminister beantwortet die gesprächsweise an ihn gerichteten Fragen nicht etwa mit „Nanu?“, „Nana!“ oder – eine Nummer drastischer – mit „Hä?“. Heiko Maas hat sich auf die benachbarte Interjektion „Na ja“ festgelegt. Sie ist deutlich geschmeidiger als alle Nanus, Nanas und Häs, rhetorische Einwürfe, bei denen ja immer schon ein störendes Moment von Interruption vernehmbar wird, das sich schlecht macht im Gesprächsfluss, soll er fließen und nicht etwa stocken. Mit „Na ja“ wird das jeweilige Gegenüber nicht vor den Kopf gestoßen, das gerade nicht, wohl aber auf ein handliches Format zurechtgestutzt, von vornherein auf Abstand gebracht.

          In Anlehnung an eine Alexander dem Großen zugeschriebene Wendung klingt „na ja“ aus dem Munde des Außenministers ein bisschen wie: Du fragst als der, der du bist; ich antworte als der, der ich bin. Als erster verbaler Abwehrgriff, noch bevor vom Außenminister überhaupt ein Argument in Stellung gebracht oder auch nur angedeutet wird, tut „na ja“ niemandem weh, legt aber doch nahe, dass es mit dem kritischen Potential der Frage nicht weit her sein kann. Denn, na ja, es ist eben alles nur geklaut, was gegen Maas eingewendet wird, oder alles längst bekannt oder alles aus dem Zusammenhang gerissen – jedenfalls weiß der Befragte, so die Suggestion von „Na ja“, in der Sache zehnmal besser Bescheid als der Fragesteller. Denn die Proportionen zwischen schlaumeierischer Frage und herbeilassender Antwort stehen, eingefangen in einem lapidaren „Na ja“, immer schon fest.

          In der biographischen Experimentierphase robusten Redens

          Heiko Maas ist spät auf den Geschmack von „Na ja“ gekommen. Wertet man frühere Interviews mit ihm aus, als er noch nicht unter dem Zwang der Etikette seines heutigen Amtes stand, so hat er damals, in der biographischen Experimentierphase robusten Redens, nur auf jede zweite, dritte Frage mit „Na ja“ geantwortet, oftmals auch nur genuschelt als „Naj“ oder gleich ganz auf „Na“ reduziert. Inzwischen hat Maas zum „Na ja“ vollumfänglich Vertrauen gefasst. In seinem jüngsten Interview mit den „Tagesthemen“ setzt er auf fünf Fragen der Journalistin sage und schreibe fünfmal den Deckel „Na ja“ als initiale Entgegnung drauf.

          Wobei das „ja“ hier zwar immer noch ein wenig abgeschwächter, scheuer klingt als das eröffnende „Na“, aber alles in allem doch eine seiner selbst sichere Sprecherhaltung anzeigt, wie sie aus den ersten rhetorischen Gehversuchen, die Maas seinerzeit mit „Na ja“ unternahm, jedenfalls noch nicht ablesbar war. Fünfmal gefragt, fünfmal mit „Na ja“ pariert – das bedeutet: Die Auslastungsquote von „Na ja“ liegt im Falle des Außenministers mittlerweile bei hundert Prozent. Mehr ist rhetorisch nicht drin, „Na ja“ am Limit. So bietet Heiko Maas der Welt die deutschen Dienste an, als ein Angebot, das diese, wie er meint, kaum ablehnen dürfte: Mit einem „Na ja“ auf den Lippen ragt die Abbruchkante der Unterhaltung nicht etwa nackt und bloß ins Frage-Antwort-Spiel hinein. Sie wird von einem allwissenden Sprecher so verhüllt, dass gerade noch klar bleibt, wer im Gespräch allemal der Geber und wer der Nehmer ist.

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