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Nutzerführung bei Netflix : Ich will doch nur einen Film sehen!

In „Stolz und Vorurteil“ spielen Keira Knightley und Matthew Madfadyen ein einander in inniger Hassliebe zugetanes Paar. Netflix-Nutzer kennen das Gefühl. Bild: Picture-Alliance

Für ein derart erfolgreiches Portal hat Netflix eine katastrophale Nutzerführung. Im Internet kursieren Listen, mit deren Hilfe man das System überlisten kann – und auch die sind kurios.

          Wer Netflix häufig nutzt, weiß um die Vielfalt der Gefühle, die das Streaming-Portal auslösen kann – und zwar noch bevor man einen Film überhaupt gestartet hat. Denn Netflix bietet zwar schier unendliche Möglichkeiten der Zerstreuung, wie ein virtueller Süßwarenladen, aber es hat zugleich eine labyrinthische Nutzerführung. Die Filme und Serien, die man bereits angefangen hat zu schauen, werden mal ganz oben angezeigt, mal ganz unten, mal irgendwo – genau wie die Liste derer, die man sich für später merken wollte. Dafür bekommt man penetrant angezeigt, was andere mögen (na und!?), selbststartende Trailer für Horrorfilme (herzlichen Dank) und bereits angeschaute Filme mit dem Vorschlag, sie nochmals anzusehen (was zur Hölle). Die Suche nach Kategorien ist vergebens. In einer Zeit, in der jede kleine Entwicklungsbude für Apps das Schlagwort Usability herumwirft, zeigt sich Netflix konsequent kapriziös.

          Horrorfilme, die in der Tiefsee spielen

          Aber es gibt Lösungen, und zwar im Internet, wo sonst? Dort kursieren Listen, die die Suche nach den bevorzugten Genres erleichtern: Jede Kategorie hat einen Zahlencode. Wenn man an die Netflix-URL /browse/genre/ und den entsprechenden Code anhängt, landet man auf der entsprechenden Auswahl. Die Genres sind teilweise ganz klassisch: Actionkomödie, Western, Sci-Fi-Thriller. Einige Einträge in den Listen weiten den Blick für Freizeitoptionen, die man sonst kaum in Erwägung gezogen hätte: Wie wäre es mal mit koreanischen TV-Shows? Ein paar Horrorfilmen, die in der Tiefsee spielen? Oder romantischen Indie-Komödien? Darüber hinaus haben manche Seiten Genrecodes ausgegraben, die so spezifisch sind, dass sie noch nicht mal alle befüllt sind. Netflix hat zwar entsprechende Unterseiten angelegt, aber bisher kam offenbar kein Praktikant dazu, sich um die Zuweisungen zu kümmern. „Wein- und Getränkekultur“ (1458) ist ganz ordentlich besetzt, aber „Historienfilme des 20. Jahrhunderts für hoffnungslose Romantiker“ (81544) harrt ebenso noch der Befüllung wie „Von der Kritik gelobte Action- und Abenteuerfilme aus den 1960ern“ (9082).

          Alles, wirklich alles daran ist typisch für Netflix. Erstens: immer groß, allumfassend und in die Zukunft zu denken. Zweitens: dem Nutzer zu zeigen, was alles möglich ist. Drittens: es dem Nutzer auf dem Weg dorthin so schwer zu machen wie nur irgend möglich.

          Und trotzdem sollte diese höchst spezifische Liste eine Inspiration sein für alle Lebensbereiche. Man müsste beim Friseur sagen können: „Meine Freunde sollen die Frisur mögen, mein Mann soll den Kopf schütteln und meine Mutter einen Schreikrampf kriegen.“ Im Restaurant: „Ein klassisches Menü aus den Siebzigern, das den meisten etwas zu schwer und fettig ist.“ Und bei der Partnerwahl erst! Mehr Komplexität zeigen, aber weniger Entgegenkommen – das muss funktionieren. Denn von Netflix lernen heißt siegen lernen.

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