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Reaktionen aus Amerika : Wie Fergus Falls mit Claas Relotius umgeht

  • -Aktualisiert am

Keine Spur vom dunklen Wald, den der „Spiegel“-Schreiber Relotius als Umgebung erfand: Straßenbild aus Fergus Falls, Minnesota, Ende Dezember 2018 Bild: TIM GRUBER/The New York Times/Re

Die Fälschungen des „Spiegel“-Reporters Claas Relotius machen in Amerika Eindruck – nicht nur in der von ihm besuchten Kleinstadt Fergus Falls. Viele sehen sich in ihrer generellen Skepsis dem Journalismus gegenüber bestätigt.

          Der Fall des Reportagefälschers Claas Relotius bewegt auch die amerikanischen Medien. Und dies nicht nur, weil einige seiner fabrizierten Geschichten in den Vereinigten Staaten angesiedelt sind und der Skandal den amerikanischen Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, veranlasste, dem „Spiegel“ habituellen Anti-Amerikanismus anzulasten. In einer Öffentlichkeit, die vom inflationär und oft ungerechtfertigterweise vorgetragenen Vorwurf der Fake News beherrscht wird, der das Vertrauen in den Journalismus durchaus erschüttert hat, ist der Fall Relotius ein großes Thema, er ist Anlass für Medienkritik und für eine Analyse der transatlantischen Beziehungen.

          „Wenn die News wirklich fake sind“, überschrieb die „Washington Post“ einen Artikel zu dem Fall, in dem es unter anderem hieß: „In einer Zeit, in der politische Parteien auf beiden Seiten des Atlantiks zutiefst polarisiert sind, könnte diese Kontroverse denen dienen, die journalistische Berichterstattung inzwischen regelmäßig als ,fake news‘ darstellen.“ Fox News wies mit unverhohlener Häme darauf hin, dass Relotius von CNN als „Journalist des Jahres“ ausgezeichnet worden war, während CNN sich beeilte, klarzustellen, dass man Relotius 2014 zwar ausgezeichnet habe, er aber nie in Diensten oder anderweitig in Zusammenhang mit dem Sender gestanden oder je auf dessen Plattformen publiziert habe.

          Die „New York Times“ schickte – wie der „Spiegel“ zwischenzeitlich in Person seines Hauptstadtkorrespondenten Christoph Scheuermann selbst – einen Reporter in die Kleinstadt Fergus Falls, Minnesota, von der die inzwischen berühmte fabrizierte Reportage „In einer kleinen Stadt“ von Relotius handelt, um den Bürgern der Stadt Gehör zu schenken, die Relotius als für Trump betende Hinterwäldler dargestellt hatte. Wie im „Spiegel“ hieß es in der „Times“, die Menschen aus Fergus Falls seien „bereit, zu vergeben“, so die Überschrift des Stücks. Eine ältere Dame, die in der „Times“ zu Wort kommt, ist freilich davon überzeugt, dass Voreingenommenheit gegenüber Trump der Antrieb für Relotius’ Geschichte gewesen sei. Die Einschätzung ist schwer von der Hand zu weisen, Relotius’ Werk bestätigt den unter konservativen Amerikanern verbreiteten Verdacht, gerade die renommierten Medien (oder wie man hierzulande sagt: die liberale Medienelite) dächten sich Geschichten aus, um politisch Andersdenkende zu diskreditieren.

          Jake Krohn

          Dieser Verdacht reicht weit über die Reihen von Trump-Unterstützern hinaus. Michele Anderson aus Fergus Falls, die gemeinsam mit Jake Krohn den „Spiegel“-Text von Relotius nach allen Regeln der Faktenprüfung auseinandergenommen und das Ergebnis publiziert hat, sagt von sich, sie sei eine überzeugte Liberale. Doch war sie nach eigener Darstellung schon vorher skeptisch, als sie Wind vom Besuch des „Spiegel“-Reporters bekam: „Wissend, dass Relotius vermutlich vorhatte, sich auf einige unserer vielen konservativen Wähler zu konzentrieren, hatte ich noch ein Quentchen Vertrauen in Journalismus. Als professioneller, preisgekrönter, internationaler Journalist und einer, der nicht nur einen Tag, sondern mehrere Wochen hier verbrachte, könnte er vielleicht, nur vielleicht, eine interessante und nuancierte Geschichte darüber schreiben, wie wir es schaffen, miteinander in Trumps Amerika zu leben, ohne uns gegenseitig unsere Häuser niederzubrennen“, schrieb sie auf medium.com. Michele Andersons Vorbehalte wurden bekanntlich auf das heftigste bestätigt.

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