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Fake-News im Netz : Nachrichtenlese

  • -Aktualisiert am

Je mehr Likes and Shares, desto viraler wird eine Nachricht. Und je viraler, desto wahrer muss diese Nachricht sein. Bild: Picture-Alliance

Unterstützt der Papst Trump? Ist Facebook schuld am amerikanischen Wahlergebnis? Sollte Clinton anfechten? Wie Facebook das Problem der „Fake-News“ nicht löst.

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          Etwas läuft schief im Nachrichtengeschäft: Millionen Falschnachrichten kursieren im Netz. Seit Facebook sein News-Team entlassen und durch Algorithmen ersetzt hat, sind wiederholt Fake-News eingespielt worden. Die Falschmeldung, der Papst unterstütze Donald Trump, wurde 960.000 Mal geteilt. Seit der amerikanischen Präsidentschaftswahl tobt die Debatte, ob Facebook eine Mitverantwortung für ihr Ergebnis trägt. Informatiker meinen gar, die Auszählung sei manipuliert worden, und fordern Hillary Clinton auf, das Ergebnis anzufechten.

          Das Problem bei Facebook spielte Konzernchef Mark Zuckerberg zunächst herunter: 99 Prozent der Inhalte seien authentisch. Ein Team von Studenten hat bei einem Hackathon der University of Princeton ein Softwaretool entwickelt, um die Echtheit von Facebook-Nachrichten zu prüfen: Die Herkunft von Links wird geprüft und deren Inhalt mit anderen News-Seiten abgeglichen. Am Ende dieses simplen Verfahrens gilt der betreffende Artikel als verifiziert. Doch dürfte das nicht die Lösung sein. Denn es handelt sich um ein systemisches Problem.

          Algorithmen sind nicht dessen Lösung, sondern die Ursache. Erst die Automatisierung der Nachrichtenlese hat Unmengen von Fake-News an die Oberfläche gespült. Wenn der Softwareingenieur Tim O’Reilly nun argumentiert, die Kuratierung von Nachrichten sei nicht mehr die Aufgabe von Redakteuren, sondern von Algorithmen, verkennt er, worum es geht. Daten besitzen keine Evidenz.

          Das Problem, sagt der Internetkritiker Rob Horning, bestehe darin, dass die Leute solche konsumieren, nicht um sich zu informieren, sondern eine Form von Sozialität zu erfahren. Auf Facebook erscheine etwas als zutreffend, wenn es Klicks, Likes und Shares generiert: „Auf einer Engagement-basierten Plattform, die von der Verbreitung von Informationen gestützt wird, ist das Virale das Reale und Wahre.“ Deshalb wird auch die Papst-Trump-Meldung für bare Münze genommen. Facebook kann das Problem der Fake-News nicht „lösen“, weil der Konzern selbst die Parameter für wahr und falsch verschoben hat.

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