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„Spiegel“ baut Redaktion um : Gemeinsam und mit Tempo

Hat viel vor beim „Spiegel“: Steffen Klusmann ist Vorsitzender der neuen Chefredaktion. Bild: dpa

Steffen Klusmann ist Vorsitzender der neuen „Spiegel“-Chefredaktion. Seine Truppe hat viel vor. Sie will das gedruckte Magazin und „Spiegel Online“ zusammenführen. Auf das Projekt schaut die gesamte Branche.

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          Wenn Steffen Klusmann als Vorsitzender der neuen „Spiegel“-Chefredaktion im Januar seine neue Aufgabe angeht, soll es mit der geplanten Zusammenlegung von Print und Online gleich mit Tempo losgehen. Seit Wochen schon arbeitet Klusmann, der vom „Manager-Magazin“ kommt, in einem früheren Betriebsratszimmer in der Hamburger Zentralredaktion mit dem Reporter Ullrich Fichtner und Barbara Hans, die bislang für „Spiegel Online“ zuständig war, an der neuen Redaktionsstruktur. Die drei bilden von Januar an die neue Chefredaktion.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die zweite Führungsebene, die sie sich geben wollen, wird den Wandel ins Digitalzeitalter bereits widerspiegeln. Stellvertretende Chefredakteure, wie sie das gedruckte Magazin und „Spiegel Online“ jetzt haben, gibt es dann nicht mehr. Stattdessen stehen der neuen Chefredaktion zwei „Managing Editors“ zur Seite – je einer von Print und von Online. Sie kümmern sich um Redaktionsinterna – vom Etat bis zu Personalfragen und zur Besetzung von Korrespondentenposten. 500 Vollzeit-Mitarbeiter hat die gemeinsame Redaktion, gut die Hälfte kommt von Online. Im Zentrum des redaktionellen Alltagsgeschäfts steht künftig ein Nachrichtenchef im Großraumbüro, unterstützt von vier Blattmachern – je zwei Online und zwei Print – und einem Artdirector, die sich gemeinsam um die Gewichtung der Themen für das Blatt, für „Spiegel Online“ und die digitale Bezahlwelt „Spiegel Plus“ kümmern sollen. Neu geschaffen wird die Stelle eines Entwicklungschefs. Der solle den „Spiegel“ und mögliche neue Formate immer schon für drei Jahre im Voraus denken, ist in Hamburg zu hören.

          Auch wenn die neue Chefredaktion aufs Tempo drückt, bis es mit der gemeinsamen Redaktion richtig losgehen kann, wird es wegen der vielen arbeitsrechtlichen Fragen noch dauern. Von Anfang Mai ist die Rede. Zwar will Klusmann dem Vernehmen nach vom ersten Tag an richtig loslegen, der Gemeinschaftsbetrieb wird aber wohl erst im Frühjahr stehen. Die neuen Ressortleitungen sollen künftig gemeinsam für beides, für Print und Online, verantwortlich sein. Ein neues Ressort „Leben“ rundet die Struktur künftig ab. Weil Online und Print für ihre Redakteure sehr unterschiedliche Verträge haben, wird es dem Vernehmen nach eine Angleichung in Schritten geben, allein schon, um den Etat nicht zu sprengen. Dennoch dürften die Kosten für die Redaktion 2019 erst einmal steigen. Von einem Millionenbetrag ist die Rede, „und nicht nur von einem“. Warum drücken die neuen Chefs so aufs Tempo? Auch wenn der „Spiegel“ mit dem Magazin noch gut verdient, gehe es darum, die Marke „mit allen Mitteln ins 21. Jahrhundert zu übersetzen“. Und Wachstum gebe es bei den Medien künftig nur noch im Digitalen.

          Wer sich in der Redaktion in Hamburg zu den Plänen umtut, der hört oft: „Einfach wird das nicht.“ Das Magazin und die nachrichtengetriebene Online-Redaktion hätten sehr unterschiedliche Kulturen. Die Ressorts Wirtschaft, Kultur und Sport haben die Zusammenlegung in Workshops bereits eingeleitet. Am Ende des Prozesses solle es nicht einfach Print und Online unter einem Dach geben, heißt es, „sondern ein neues Ding“. Wie das genau aussehen soll, wissen vielleicht auch die neuen Chefs noch nicht so genau.

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