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Kardashians und Feminismus : Die ersten Tage des Matriarchats

  • -Aktualisiert am

Kim Kardashian West, Kendall Jenner und Kylie Jenner bei der diesjährigen Met-Gala unter dem Motto „Camp“. Bild: Picture-Alliance

Es begann als Reality-TV. Inzwischen besitzen die Kardashians nicht nur anderthalb Milliarden Dollar, sondern auch die Deutungshoheit darüber, wie man sie sieht. Sind Kris, Kylie, Kim und die anderen eine feministische Kampfgruppe?

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          Kris Jenner ist 63 Jahre alt, sie sitzt konzentriert vor dem Computer in ihrem Büro, die dick-gerahmte schwarze Brille auf der operierten Nase. Ihre Tochter Kim Kardashian fragt, woran sie schon wieder arbeite. Sie mache sich Gedanken, was mit ihr passiere, wenn sie stirbt. Sie habe gehört, man könne die Asche des Leichnams zu einem Diamanten pressen lassen, und sie wolle nun wissen, ob man daraus auch sechs Diamanten machen könne – einen für jedes ihrer Kinder.

          Ihre Kinder, das sind Kourtney, Kim, Khloé, Robert, Kendall und Kylie. Samt Mutter besitzen sie ein Vermögen von etwa 1,4 Milliarden US-Dollar – die jüngste, Kylie, deren Make-up-Firma etwa neunhundert Millionen Dollar wert ist, ist die Reichste des Clans; sie zierte dieses Jahr, im Alter von 21 Jahren, das Cover des Magazins „Forbes“. „America’s Women Billionaires“, Amerikas weibliche Milliardäre, war der Titel. Zwölf Jahre hat Kris Jenner gebraucht, um mit ihren Töchtern dieses Vermögen anzuhäufen – zwölf Jahre sind vergangen seit der Grillparty im Garten ihrer Calabasas-Villa in Los Angeles, um die sich die erste Folge der Reality-TV-Show „Keeping up with the Kardashians“ drehte.

          Es war Ryan Seacrest, Moderator von „American Idol“ und TV-Produzent des Senders E! Entertainment, der Kris Jenner damals vorschlug, ein Barbecue zu ihrem Hochzeitstag zu veranstalten: Er werde ein Kamerateam vorbeischicken, und wenn das Material gut sei, dann könne man weiterverhandeln. „Golden“ soll er das Rohmaterial genannt haben. Ob das wirklich so abgelaufen ist, das wissen nur die beiden; der Gründungsmythos verhält sich zur Wahrheit, wie es das Format Reality-TV eben auch tut: Ganz unecht ist das alles nicht, ein bisschen offensichtlich künstlich muss es aber sein. Pure Realität unterhält nicht.

          Alles geschickt eingefädelt?

          Dass diese Geschichte vermutlich nicht ganz wahr ist, könnte man zumindest daraus schließen, dass sich besagte erste Folge um einen Skandal dreht, der so simpel und gleichzeitig so medienwirksam ist, dass böse Zungen behaupten, Kris Jenner habe ihn selbst provoziert: Kim Kardashian, Tochter des Anwalts Robert Kardashian, hatte ein Sexvideo mit ihrem damaligen Freund, dem R-’n’-B-Sänger Ray J, gedreht. Und – wie es das Schicksal bei Sexvideos von Sternchen Anfang zwanzig so will – es wurde veröffentlicht. „Warum hast du das getan?“, fragte Tyra Banks in ihrer Talkshow Kim Kardashian, und man ist sich nicht sicher, was genau sie meint: dass Kim das Video gedreht hat; oder dass sie es womöglich selbst verbreitet habe. Dass Kim damals die „beste Freundin“ und persönliche Einkäuferin von Paris Hilton war, die durch einen ganz ähnlichen Skandal auf sich aufmerksam gemacht hatte, tat sein Übriges für diese Theorie.

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