https://www.faz.net/-gqz-9xjwv

Coronavirus in Spanien : Die Zeitung erscheint noch

Zeitungen und Zeitschriften zählen zur Grundversorgung: Ein Mann steht am Sonntag vor einem Zeitungskiosk im spanischen Burgos. Bild: AFP

In Spanien steht das Leben still. Apotheken sind geöffnet, Lebensmittelgeschäfte und – Zeitungsstände. Doch die Leser sind online unterwegs.

          3 Min.

          Alles ist geschlossen. Nur Lebensmittelgeschäfte und Apotheken dürfen in Spanien öffnen – und Zeitungskioske. In den Straßen Madrids patrouillieren am Montag die ersten Soldaten an den Ständen vorbei, deren Besitzer wie jeden Morgen ihr Angebot ausbreiten. Die spanische Regierung will trotz des Alarmzustands sicherstellen, dass sich alle Spanier über die Ausbreitung des Coronavirus informieren können. Doch auf der Goya-Straße im Zentrum blicken die Zeitungshändler den leeren Bussen und den wenigen Passanten hinterher, die sich aus ihren Häusern wagen. Umso wichtiger ist die digitale Nachrichtenversorgung geworden. „El País“, die größte überregionale Tageszeitung, hat sich am Wochenende entschlossen, ihre gesamte gedruckte Ausgabe online zu stellen. Sie ist als PDF-Datei über eine App kostenlos abrufbar. „Unter jedem Umstand“ wolle die Zeitung die Spanier weiter mit zuverlässig recherchierten Informationen versorgen, die jetzt wichtiger seien als je zuvor, schrieb die Chefredakteurin Soledad Gallego-Díaz an ihre Leser. In der häuslichen Isolation seien Zeitungen noch wichtiger, um den Blick zu weiten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Eigentlich hatte ihre Zeitung andere Pläne. Anfang März begann „El País“ mit einer Werbekampagne, um die Leser auf einen einschneidenden Systemwechsel vorzubereiten. „Abonniere die Fakten“ lautet einer der Slogans. Nicht nur „El País“ möchte den Lesern beibringen, dass Qualitätsjournalismus seinen Preis hat. Bisher herrschte im Land das Verständnis vor, man müsse im Internet alles kostenfrei abrufen können. „El País“ wollte ursprünglich in dieser Woche damit beginnen, die erste Bezahlschranke im Land zu errichten. Dann kam die Corona-Krise. Geplant ist eine Paywall nach dem Modell der „New York Times“. Nach zehn kostenlosen Artikeln im Monat wird das Angebot kostenpflichtig. Nun könnte das Coronavirus dazu beitragen, dass mehr Spanier zu schätzen lernen, was die überregionale Presse zu bieten hat.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : 65% günstiger

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. digital – Jubiläumsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Hoffnungsträger in blassem Gelb: Das Bundesgesundheitsministerium deckt sich mit dem japanischen Grippemittel Avigan ein.

          Medizin : Riesiger Wirbel um eine Pille gegen Corona

          Das Grippemittel Avigan aus Japan könnte Patienten retten. Deutschland deckt sich mit Millionen Tablettenpackungen ein. Die Bundeswehr soll beim Verteilen helfen.