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Drohneneinsatz fürs Fernsehen : Als die Bilder fliegen lernten

Der Frankfurter Flughafen sucht nach Abwehrsystemen gegen Drohnen (Symbolbild). Bild: dpa

Mit Drohnen lassen sich Luftaufnahmen heute ganz leicht machen. Für Nachrichtenmacher ist das verführerisch. Das sieht man auch bei ARD und ZDF, für die aber nicht jeder fliegen darf.

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          Der Hamburger Stadtteil Finkenwerder hat eine lange Flugtradition. Das fängt mit den Vögeln an, die der Elbe-Halbinsel ihren Namen geben. Davon zeugt aber auch der dort beheimatete Flugzeughersteller Airbus. In diesem März fügten die „Tagesthemen“ in der ARD den Finkenwerderschen Fluggeschichten ein kurzes Kapitel hinzu.

          Statt ihre Kamera in die Hand zu nehmen oder auf die Schulter zu setzen, ließen die Macher der fünfminütigen Reportage „Unbekanntes Hamburg-Finkenwerder“ ihr Aufnahmegerät abheben und über Häuser, den kleinen Hafen und die Elbe schweben. Am selben Tag hob das ZDF ebenfalls ab. In einem Beitrag des „heute journals“ zum Thema Elektromobilität kreiste die Kamera über dem Daimler-Motorenwerk in Stuttgart-Untertürkheim.

          Luftgetrocknet: Zur Erkennung von Waldbrandgefahr werden Drohnen längst eingesetzt. Das Bild zeigt kahle Lärchen in einem Waldgebiet nahe Treplin im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg.

          Möglich machen die ungewöhnlichen Aufnahmen sogenannte Quadro- oder Multicopter, im Volksmund Drohnen genannt. Vier oder mehr Propeller treiben die ferngesteuerten Fluggeräte an, lassen sie aufsteigen, vor- und zurückfliegen. Drohnen werden immer zahlreicher, auch weil kleine Einsteigermodelle mitunter gerade einmal zwanzig Euro kosten. Die Deutsche Flugsicherung geht davon aus, dass es in Deutschland rund 400 000 einsatzfähige Quadrocopter gibt. Ein paar davon fliegen im Auftrag der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Sind ARD und ZDF also jetzt wie viele Privatleute den Drohnen verfallen?

          Der für den Finkenwerder-Beitrag verantwortliche Norddeutsche Rundfunk sieht das nicht so. Multicopter setze man nur im Einzelfall ein, „etwa wenn ein Überblick über ein größeres Areal gefragt ist“, teilt ein Sprecher mit. Die Berichterstattung über das letzte Elbe-Hochwasser sei so ein Fall gewesen oder eben der länger geplante Bericht aus Finkenwerder. „Bei aktuellen Produktionen kommen die Multicopter eher selten zum Einsatz.“

          Das hat zwei Gründe. „Zum einen ist der Einsatz durch Witterungseinflüsse wie Regen und Wind eingeschränkt, zum anderen müssen alle Multicopterstarts bei der zuständigen Behörde rechtzeitig angezeigt werden, und spontane Aufstiege sind ausgeschlossen.“ Zudem darf beim NDR nicht jedes Mitglied der Kameraabteilung Bilder aus der Luft schießen. Es gebe dafür eine spezielle Ausbildung. Die Bilder würden nach denselben journalistischen Grundsätzen gemacht wie solche am Boden.

          Auch für das ZDF sind Aufnahmen von Quadrocopter-Kameras in der aktuellen Berichterstattung „nach wie vor die Ausnahme“, wie der Sender auf Anfrage mitteilt. „Die meisten Ausnahmefälle betreffen Katastrophen oder Großereignisse, bei denen früher Hubschrauberflüge zur Überblicksgewinnung gemacht wurden“, sagt ein Sprecher. Anders sehe es bei dokumentarischen Aufnahmen aus. Generell gehe es darum, neue, sinnvolle Perspektiven zu liefern. Dazu sollen die Drohnen beitragen, indem sie zum Beispiel hochwertige Landschaftsaufnahmen einfangen und so einen Mehrwert für den Zuschauer schaffen. Manchmal scheint das den filmenden Frauen und Männern mit ihren fliegenden Kameras zu gelingen. „Wenn, dann gibt es Zuschauer-Rückmeldungen zu besonders gelungenen Aufnahmen“, sagt der Sprecher.

          Wohl auch deshalb hat das ZDF die Bedingungen für den Drohneneinsatz verstetigt. Früher habe der Sender die Geräte angemietet. „Inzwischen hat es sich als wirtschaftlicher herausgestellt, eigene Quadrocopterkameras einzusetzen und das Technik-Knowhow im Haus zu entwickeln.“ Zurzeit besitzt der Sender sechs Quadrocopter. Sie dürfen nur von Kameraleuten mit zusätzlicher Ausbildung geflogen werden. Die Schulung erhalten sie an der Medienakademie von ARD und ZDF. Eine Handvoll Kameraleute sei dort bisher ausgebildet worden.

          Ob sie ihre Fähigkeiten künftig häufiger einsetzen werden, sei dahingestellt. Weil sich Drohnen immer weiter verbreiten, „ist das auch für die aktuelle Berichterstattung nicht auszuschließen“, heißt es aus Mainz. „Wir werden allerdings wie bisher darauf achten, wo der Einsatz für die Beitragsgestaltung Sinn ergibt.“

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