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Deutschlandradio sucht Chef : Wer Intendant wird, ist nicht ausgemacht

Der Sitz des Deutschlandradios in Berlin. Bild: DLR/Detlef Maugsch

Bei der Intendantenwahl im Deutschlandradio schien alles auf den MDR-Chefredakteur Stefan Raue zuzulaufen. Doch jetzt regt sich Widerstand im Hörfunkrat des Senders, wie FAZ.NET exklusiv erfuhr.

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          Die Debatte über den künftigen Intendanten des Deutschlandradios nimmt Fahrt auf: Der Chef der Staatskanzlei in Stuttgart, Klaus-Peter Murawski, will sich in der Hörfunkratssitzung am 8.Juni in jedem Fall „widerständig“ verhalten, falls, wie berichtet, vom Verwaltungsrat der Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks, Stefan Raue als Intendant vorgeschlagen wird. „Die jetzige Vorgehensweise widerspricht der Interpretation von Politikferne, wie sie vom Bundesverfassungsgericht formuliert worden ist. Ich habe nichts gegen Herrn Raue, aber dieses Muster, der jetzige Intendant war ein Schwarzer, deshalb muss jetzt ein Sozialdemokrat dran, sollten wir durchbrechen. Man sollte die ausgezeichnete Programmleistung des Deutschlandradios durch eine hausinterne Berufung würdigen“, sagte der Grüne Murawski dieser Zeitung.

          Keine Mehrheit für den Kandidaten

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Er sehe bei den vierzig Hörfunkräten zurzeit keine Mehrheit für Raue, sowohl Vertreter der katholischen Kirche wie der Gewerkschaften hätten Bedenken geäußert. Murawski schlägt als „hausinterne Lösung“ vor, Andreas-Peter Weber zum Intendanten und Nachfolger von Willi Steul zu machen. Weber ist seit September 2011 Programmdirektor des Deutschlandradios.

          Bislang Chefredakteur beim MDR, demnächst Intendant beim Deutschlandradio: Stefan Raue.
          Bislang Chefredakteur beim MDR, demnächst Intendant beim Deutschlandradio: Stefan Raue. : Bild: MDR/Marco Prosch

          Auch Hörfunkräte von CDU und SPD, so Murawski, hielten es für eine gute Lösung, Weber zum Intendanten zu machen, weil er mit Steul für die erfolgreiche Modernisierung des Senders stehe. „Der Verwaltungsrat kann einen Kandidaten vorschlagen, aber der Hörfunkrat ist der eigentliche Souverän“, sagte der Staatskanzleichef. Stefan Raue kam auf Drängen des nordrhein-westfälischen Medienstaatssekretärs Marc Jan Eumann (SPD) und des Chef der Berliner Staatskanzlei, Björn Böhning, ins Gespräch.

          Der Freundeskreis der A-Länder (SPD-geführt) soll mittlerweile wie der katholische Teil des Freundeskreises der B-Länder (CDU-geführt) von Raue abrückt sein – die notwendige Mehrheit von 26 Stimmen für Raue gebe es im Hörfunkrat nicht. In den Sendehäusern des Deutschlandradios in Berlin und des Deutschlandfunks in Köln fürchtet man die Wahl eines externen Bewerbers, weil dieser noch größere Unruhe in den Sender bringen könne. Programmchef Weber – der auch als „SPD-nah“ gilt –, sei „menschlich sympathisch“ und habe mit dem jetzigen Intendanten einen Modernisierungsprozess angestoßen, den er zu Ende führen müsse. Im Berliner Funkhaus gebe es eher Vorbehalte gegen Weber, in Köln hoffe man, dass mit einem Intendanten Weber Ruhe einkehre, heißt es aus dem Sender.

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