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Fridtjof Küchemann, Redakteur im Feuilleton

Whatsapps Nutzungsbedingungen : Spiel auf Zeit

Je enger verknüpft, um so besser: Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Oktober 2019 in Washington Bild: Reuters

Whatsapp wolle Nutzerdaten mit Facebook teilen, um seine Dienste „zu verstehen“, heißt es in den neuen Nutzungsbedingungen. Das Interesse des Konzerns an möglichst enger Verflechtung ist seit einem Monat noch gewachsen.

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          Wie viele der 58 Millionen täglichen Nutzer von Whatsapp in Deutschland werden dieser Tage die neuen Nutzungsbedingungen und eine neue Datenschutzrichtlinie des Messengers akzeptiert haben, ohne sie eines Blickes zu würdigen? Innerhalb der „Region Europa“ sind die Neuerungen auch vergleichsweise gering: Hier verspricht der zu Facebook gehörende Dienst keine „wesentlichen Änderungen an der zugrundeliegenden Datenverarbeitung in der EU“: Zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Facebook-Produkten werde Whatsapp hier auch weiterhin keine Daten mit dem sozialen Netzwerk und anderen zum Konzern gehörenden Angeboten teilen.

          Außerhalb der EU allerdings will Whatsapp diesen lange ausgeschlossenen Datenabgleich durchaus vornehmen, um „unsere Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterstützen und zu vermarkten“. In Amerika wird, wer Facebook und das ebenfalls zum Konzern gehörende Instagram nutzt, mit einem einzigen Profil verwaltet – und den Werbekunden als identischer Zielkontakt angeboten. Die Vision, die Mark Zuckerberg den Nutzern seiner Dienste seit 2019 als „Interoperabilität“ verkauft, als Möglichkeit, über die verschiedenen Plattformen und Apps hinweg zu kommunizieren, bedeutet für die Kunden des Konzerns schlicht eine größere Datenfülle.

          Das wird Jahre dauern

          Auf der technischen Seite wird seit den Übernahmen von Instagram 2012 und Whatsapp 2014 der gemeinsame Gebrauch konzerneigener Entwicklungen der Datenverarbeitung forciert. Es würde inzwischen Jahre dauern, die beiden Dienste technisch wieder aus dem Facebook-Konzern zu lösen, haben Insider der „Washington Post“ vor einem Monat erläutert. Damals hatte die Bundeshandelskommission zusammen mit 46 amerikanischen Bundesstaaten eine lang erwartete kartellrechtliche Klage eingereicht, die dazu führen könnte, dass sich Facebook von Instagram und Whatsapp wieder trennen muss.

          Ein solcher Prozess, darauf vertrauen die Anwälte des Unternehmens, lässt sich über viele Jahre strecken. Mit der weiteren Verschmelzung, wie die neuen Nutzungsbedingungen sie andeuten, würden sich Jahre der Entflechtung anschließen. Facebook spielt auf Zeit – und hat sich weitere Zeit gesichert.

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