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Whatsapp und Co. : Wer sichert digitale Grundversorgung?

  • -Aktualisiert am

Whatsapp gehört zum Mutter-Unternehmen Facebook, das Nutzerdaten über den Zeitpunkt gesendeter Nachrichten und die dazugehörigen Nummern sammelt. Offiziell zur Verbesserung des Dienstes. Bild: AFP

Der Kommunikationsdienst Whatsapp gibt Daten seiner Nutzer an Facebook. Wer das nicht will, muss sich abmelden. Wie setzen wir den Rahmen für einen solchen Dienst ohne digitale Entblößung?

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          Dieser Tage bittet der Kommunikationsdienst Whatsapp seine mehr als eine Milliarde Nutzer darum, neuen Bedingungen zuzustimmen. In Deutschland sind zwanzig bis dreißig Millionen Menschen betroffen. Für sie ist Whatsapp ein wesentliches Instrument der digitalen Lebensgestaltung. Keine Schulklasse ohne Klassenchat, keine Urlaubsreise ohne Whatsapp-Gruppe, kein Stammtisch im Kollegenkreis ohne Whatsapp. Kern der neuen Nutzungsbedingungen ist eine geänderte Datenschutzrichtlinie. Sie sieht die Weitergabe persönlicher Daten an die Whatsapp-Mutter Facebook in großem Stil vor. Dazu gehören die Telefonnummer sowie die Zeiten, zu denen der Dienst genutzt wird. Eine Veröffentlichung dieser Daten sei nicht vorgesehen, eine Pflicht zur Nutzung eines Facebook-Accounts damit nicht verbunden. Whatsapp, heißt es, bleibe eigenständig, nur die Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern werde verstärkt. Die Datenübermittlung diene der Verbesserung der Dienstleistungen, aber auch der Sicherheit vor Spam und Missbrauch.

          Seit der Ankündigung tobt eine Diskussion im Netz. Die Meinungen reichen von heftiger Kritik über Ratschläge bis zu einer – meist zaghaften – Verteidigung der Pläne. Immerhin sei Facebook ein kommerzielles Unternehmen, das seine Leistungen nicht verschenken könne. Dass Profit aus Whatsapp gezogen werde, sei nachvollziehbar. Viele Kommentatoren empfehlen den Umstieg auf einen anderen Dienst: Threema, Signal, Telegram und andere böten vergleichbare Leistungen.

          Vor 32 Jahren, im August 1984, empfing Michael Rotert, heute Präsident des Internetverbandes eco, die erste E-Mail in Deutschland. Damals wurde schriftliche Kommunikation noch auf Papier erledigt. Versetzen wir uns zurück und denken uns folgendes Szenario: Der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen, Christian Schwarz-Schilling, tritt vor die Presse und verkündet eine Neuerung für den Briefverkehr der Deutschen Bundespost. Der Bund habe sich entschlossen, die Anschrift aller Versender von Briefen sowie das Datum des Versands an andere Stellen weiterzugeben, an die Finanzbehörden, die Arbeitsverwaltung oder die Rentenversicherung. Damit solle die Leistungsfähigkeit der Post verbessert werden. Auch könne dem Missbrauch der Postdienste entgegengetreten werden. Was wäre passiert? Im besonders symbolträchtigen Jahr 1984 wäre Minister Schwarz-Schilling ein Sturm der Entrüstung sicher gewesen, zumal kurz nach der verhinderten Volkszählung 1983.

          Wechsel sind weltfremd

          Was unterscheidet das fiktive Szenario der Vergangenheit von der heutigen Diskussion um Whatsapp? Natürlich, die Deutsche Bundespost war eine staatliche Behörde, Facebook ist ein privates Unternehmen. Wer Briefe schreiben wollte, war auf die Post angewiesen; wer Kurznachrichten versenden will, hat Alternativen zu Whatsapp. Doch gibt es eine Gemeinsamkeit: Die Post des Jahres 1984 hat eine ähnliche infrastrukturelle Bedeutung wie das Whatsapp-Angebot heute.

          Der Rat an mehr als zwanzig Millionen Menschen in Deutschland, ihre elektronische Alltagskommunikation wegen ein paar Änderungen der Nutzungsbedingungen auf andere Dienste zu verlagern, ist weltfremd: Haben Sie schon einmal versucht, im Freundeskreis von einer Whatsapp- zu einer Telegram-Gruppe zu wechseln? Oder die Erfahrung gemacht, dass Ihr Kind seinen dreißig Mitschülern nahezubringen versucht, warum ein Klassenchat bei Threema besser sei als einer bei Whatsapp? Wie viele wechseln?

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