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Datensicherheit : Whatsapp verschlüsselt, Oculus entschlüsselt

Im Februar kaufte Facebook den Messenger Whatsapp auf. Bild: AP

Was die eine Tochterfirma verschlüsselt, reißt die andere wieder auf: Whatsapp und Oculus ziehen in Sachen Datenschutz nicht am selben Strang.

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          Man muss sich Jan Koum als einen prinzipientreuen Menschen vorstellen. Auf dem legendären Zettel am Schreibtisch des Whatsapp-Gründers stehen seine drei wichtigsten Vorsätze: keine Werbung, keine Spiele, keine Spielereien. Der Risikokapitalgeber Jim Goetz hatte ein Foto des Blättchens veröffentlicht, nachdem Facebook im Februar 2011 die milliardenschwere Übernahme von Whatsapp verkündet und neben den Gründern des beliebten Messenger-Dienstes auch den Investor reich gemacht hatte.

          Auch als Beruhigung war es gedacht, für alle, die sich fragten, was nach der Übernahme an das für seinen Datenhunger bekannte Netzwerk wohl mit ihren Daten geschehen werde. Und es waren einige, die sich diese Frage stellten. Jan Koum selbst erzählt oft und gern, dass er in der Sowjetunion unter dem Eindruck der Überwachung aufgewachsen und seine Familie auch aus diesem Grund 1992 nach Kalifornien ausgewandert sei. Gerade hat er wieder daran erinnert, in der frohen Verkündung im Whatsapp-Blog, dass alle Nachrichten aller Nutzer (mit der neusten Version der App) künftig verschlüsselt würden, und zwar von Ende zu Ende, so dass die Ver- und Entschlüsselung erfolgt, wenn die Nachricht das Smartphone eines Nutzers verlässt oder erreicht. Es sei ihm auch aus der eigenen Biographie heraus ein Anliegen, schreibt Koum, dass niemand mitlesen könne, was Leute einander mitzuteilen haben - kein Geheimdienst, nicht einmal Whatsapp selbst.

          Bewegungen und Körpermaße

          Seit gut fünf Jahren ist Mark Zuckerberg nun Koums Chef, vor zwei Jahren hat Facebook die Firma Oculus VR übernommen und gerade erst deren Entwicklung, die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift, auf den Markt gebracht. Dafür stellt Zuckerberg Nutzungsbedingungen ganz nach Art des Hauses: Zusätzlich zu den gesammelten Aufenthaltsdaten und technischen Details werden die Bewegungen der Brillenträger erhoben, Körpermaße und Körperform.

          Oculus nimmt sich das Recht, diese Daten auszuwerten, zu vermarkten, mit öffentlich verfügbaren oder zugekauften Daten zu verknüpfen und die Nutzer gezielt mit Werbung zu beschicken - innerhalb wie außerhalb der Angebote von Oculus Rift. Fotos von einer Präsentation zeigen einen strahlenden Mark Zuckerberg ohne Datenbrille vor einer Menge entrückt wirkender Brillenträger. Muss man sich auch den Facebook-Gründer als prinzipientreuen Menschen vorstellen? Sein Motto könnte lauten, nur solchen Grundsätzen zu folgen, die dem Geschäft nicht schaden. Was im konkreten Fall heißt: Was die eine Tochterfirma Whatsapp verschlüsselt, reißt die andere Tochter Oculus wieder auf.

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