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Intendantenwahl beim RBB : Sender sucht Intendanten – und ein Programm

Eine/r von beiden wird RBB-Intendant/in: Theo Koll und Patricia Schlesinger. Bild: dpa

Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg wird es heute spannend: Wer führt den Sender in den nächsten Jahren? Und was will er zeigen?

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          Die Findungskommission, die bestimmt hat, wer heute zur Intendantenwahl beim Rundfunk Berlin-Brandenburg antritt, versteht sich auf die Kunst der Reduktion. Sie hat die Zahl der Bewerber so lange reduziert, bis das Minimum erreicht war, was aber nicht als großes Minus zu verstehen sein soll, sondern auf konzentrierte Qualität. Von ursprünglich 28 Kandidaten war die Rede, jetzt sind es dem Vernehmen nach nur noch zwei, und mit beiden stünde der Sender gut da: mit Patricia Schlesinger, die beim Fernsehen des Norddeutschen Rundfunks die Abteilung Kultur und Dokumentation leitet, oder mit Theo Koll, der das Studio des ZDF in Paris leitet. Für beide bedeutete das neue Amt einen Aufstieg, von beiden dürfte der Sender profitieren, und sie müssten beide auch nicht befürchten, bei einer Niederlage das Gesicht zu verlieren.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Bei dem bis zuletzt Dritten im Bunde war das augenscheinlich anders. Volker Herres, der Direktor des ersten ARD-Programms, wollte offenbar nur mit der Gewissheit antreten, dass ihm die nötige Mehrheit sicher wäre. Doch das war sie augenscheinlich nicht, selbst wenn sich im Rundfunkrat Unterstützer für ihn gesammelt hatten. So zog Herres seine Kandidatur in der vergangenen Woche zurück mit dem Hinweis, dass es „ehrenvoll“ sei, als Kandidat für den Chefposten beim RBB gefragt zu sein, seine jetzige Aufgabe „indes so spannend und herausfordernd“ ausfalle, dass er diese Arbeit gerne fortsetzen wolle. Als Chef des ersten Programms spielt Herres bereits in der höchsten Klasse der ARD, auf Augenhöhe mit den Intendanten. Würde er bei der Wahl in der drittkleinsten Anstalt des Senderverbunds durchfallen, hinge ihm die Niederlage nach, und er säße immer aufs Neue mit demjenigen, der an seiner Stelle beim RBB das Rennen machte, bei den Intendantensitzungen an einem Tisch. Dafür dürfte das Ego von Herres dann doch etwas zu groß sein.

          Ein halbdemokratisches Kulissengeschiebe

          Intendantenwahlen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind seit jeher und für gewöhnlich ein eher halbdemokratisches Kulissengeschiebe. Das konnte man zuletzt beim Hessischen Rundfunk beobachten, wo sich für den neuen Intendanten Manfred Krupp gar kein Gegenkandidat fand. Dafür hatte die hessische CDU gesorgt. Mit parteipolitischen Seilschaften, in denen der Kandidat selbst festhängt, hat ein solch gelichtetes Feld nicht unbedingt zu tun, eher mit Präferenzen für die Person, von der stets die Frage ist, was eine offene Wahl und eine mögliche Niederlage bedeutete.

          Für Patricia Schlesinger oder Theo Koll dürfte das beim RBB kein Problem sein. Sie haben vielmehr eines, wenn sie gewählt werden. Denn der Rundfunk Berlin-Brandenburg, dessen Intendantin Dagmar Reim zum 30. Juni aus privaten Gründen aus dem Amt scheidet, ist seit seiner Gründung im Jahr 2003 eine Baustelle. Dagmar Reim musste den RBB, der aus der Fusion des Senders Freies Berlin und des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg hervorging, erst einmal zu einem Sender machen und - sparen.

          Als Fernsehsender ohne Ausstrahlung

          Das gelang zwar, allerdings nur in dem Maße, in dem die Anstalten in dem unter Pensionslasten ächzenden und trotz immer höherer Einnahmen stets klammen öffentlich-rechtlichen System überhaupt beweglich sind. Und darüber ging dem RBB, der schließlich der Hauptstadtsender der ARD ist, jede Ausstrahlung verloren. Der RBB prägt weder das journalistische Programm der ARD aus Berlin, noch vermag er es, in seinem dritten Fernsehprogramm die Hauptstadt und das Umland miteinander zu verbinden. Im Radio hingegen spielt der RBB für das Publikum eine unbestrittene Rolle.

          Stellt man dies in Rechnung, erklärt sich, warum die Findungskommission des RBB-Rundfunkrats bei ihrer Vorauswahl durchweg auf Kandidaten gekommen ist, die über ein journalistisches Profil verfügen und Programm machen. Der RBB braucht augenscheinlich nicht nur eine neue Intendantin oder einen neuen Intendanten, sondern auch ein neues Programm. Wer es machen soll, wird heute Abend in Berlin bestimmt.

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