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„Schwartz & Schwartz“ im ZDF : Wer Familie hat, braucht keine Feinde

  • -Aktualisiert am

Spielen die beiden ungleichen Gebrüder Schwartz, Polizist der eine, windiger Detektiv der andere: Golo Euler (links) und Devid Striesow Bild: ZDF

Das ZDF hat Krimis noch lange nicht satt. Jetzt schickt es zwei ungleiche Brüder auf Mörderjagd, die einander mehr behindern als unterstützen. Das ist halb gelungen.

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          Ein Naturgesetz in Frage zu stellen bringt wenig. Da es ja nun offenbar so sein muss, dass jede neue Serie ein Krimigerüst braucht, bleibt den Verantwortlichen nur, um fernsehgängige Verbrechen herum neue Ermittlerkonstellationen auszuprobieren. Dabei kommt dann so etwas heraus wie „Die Heiland“ im Ersten – blinde Anwältin und freche Göre sorgen für Gerechtigkeit – oder wie die neue ZDF-Samstagabendserie „Schwartz & Schwartz“, bei der sich ein ungleiches Brüderpaar – korrekter Polizeibeamte der eine, windig-findiger Hochstapler-Detektiv der andere – um die Aufklärung von Mordfällen bemüht, und zwar eher gegen- als miteinander. Ein großer Teil der kreativen Energie scheint in die Ausgestaltung des Figurenensembles geflossen zu sein, das tatsächlich recht originell wirkt. Die wohltuend ruhige Regie von Rainer Kaufmann lässt allen genug Raum zur Entfaltung.

          Auch bei der Besetzung hat sich der Sender nicht lumpen lassen. Der erfahrene Golo Euler spielt den braven Polizisten Mads Schwartz hinreißend schüchtern, während Devid Striesow als missratener Bruder Andi hinter seiner freundlichen Maske, die auch Mads’ quirlig vertrauensselige Frau Jasmin (Cornelia Gröschel) blendet, immer eine geheime Agenda zu verfolgen scheint. Sympathisch sind beide Protagonisten auf ihre Art. Nicht ganz so gelungen ist die Nebenfigur Iris (Brigitte Hobmeier), Mads’ Kollegin, die allzu sehr auf schräger Vogel getrimmt wurde und natürlich zur Vertrauten des überraschend zur Mordkommission Beförderten wird. Schön ungreifbar dagegen bleibt Mads’ neue Chefin (Lisa Martinek), die sich stets rückversichert bei Oberstaatsanwalt Mauz (Thorsten Merten).

          Mit welcher Konsequenz die Erzähllinien hier ineinanderkrachen

          Auf der Gegenseite brilliert der überragende Mime Ulrich Noethen als Promi-Kinderarzt Dr. Jasper, der sich gleich als Stinkstiefel zu erkennen gibt. So richtig scheint er nämlich nicht zu betrauern, dass seine Ehefrau just an ihrem vierzigsten Geburtstag vor den geladenen Gästen erstickte, und das zum Song „Don’t Leave Me This Way“. Ein allergischer Schock war der Grund. Dass sich Mads aber gleich auf den Ehemann als Täter einschießt – er könnte sein Fachwissen genutzt und die Limonade mit unausgewiesenen Erdnuss-Spuren bestellt haben –, scheint zumindest vorschnell. Ein Motiv ist das nämlich noch nicht. Matti Schmidt-Schaller macht seine Sache ebenfalls passabel, auch wenn er als desolat aufmüpfiger, dauerbenebelter Sohn des Arztes aus erster Ehe etwas dick aufträgt.

          Die eigentliche Dynamik des Films entsteht aber erst dadurch, dass Andi seine eigene, Mads nicht bekannte Vergangenheit mit der Toten hatte und nun unter einem Vorwand Informationen abgreift. Er ermittelt auf eigene Faust und ohne Rücksicht auf Verluste. Vielleicht wird dabei immer einen Tick zu deutlich, dass Andi, der gute Geschäfte vortäuscht, aber in einer Garage lebt, ein falsches Spiel treibt. Und auch das olle Gauneroutfit aus Lederjacke und Einbrechermütze hätte nicht sein müssen. Aber mit welcher Konsequenz die beiden Erzähllinien schließlich ineinanderkrachen, ohne sich, wie sonst üblich, kitschig zu vereinen, das hat Zug und ist geradezu kühn. Dazu passt der Mut, offenzulassen, was zwischen den entzweiten Brüdern eigentlich einst vorgefallen ist. Wir wissen nur, dass es beide nicht leicht hatten mit ihrem fiesen Macho-Vater (Michael Hanemann).

          Nicht lässig, sondern lasch

          Dass die Pilotfolge trotzdem nicht ganz überzeugt, liegt ausgerechnet am Drehbuch, obwohl es von den renommierten Autoren Alexander Adolph und Eva Wehrum stammt. Die beiden haben schon die Idee zu „München Mord“ gemeinsam entwickelt, und Adolph zeichnet für eine ganze Reihe von tragikomischen Krimis und verdrehten Hochstaplergeschichten verantwortlich. Hier aber geht das Kalkül mit dem unterkühlt hingetuschten Kriminalfall nicht auf. Die Geschichte wirkt nicht lässig, sondern lasch. Soll das Ironie sein, wenn die Partygäste Stunden nach dem Tod der in der Mitte des Raums zugedeckt liegenden Gastgeberin mit Sektgläsern in der Hand um diese herumstehen und in Smalltalk versunken sind? Und was soll die Ironie hier? Das dunkle Geheimnis, das dem Kinderarzt angedichtet wurde, ist wiederum derart abgegriffen, der code-gesicherte Zugang zum Geheimbüro derart albern, dass man sich auf den Arm genommen fühlt, ohne einen Grund dafür zu sehen: Eine weitere Krimiparodie möchte „Schwartz & Schwartz“ ja offenkundig nicht sein.

          Die Serie handelt eher davon, wie zwei Brüder, die nicht einfach nur Komplementärfiguren sind, einander hartnäckig verfehlen, weil der eine immer wieder von der Durchtriebenheit der Menschen überrascht ist und der andere nur im Widerspruch existieren kann, die beiden einander aber trotzdem irgendwie lieben.

          So bleibt das Fazit, dass hier zwei Hauptfiguren narrativ noch etwas ungelenk, aber psychologisch durchaus vielversprechend in eine Krimireihe hineinstolpern, aus der bei etwas engagierter erzählten Episodenhandlungen – seien es nun tragische oder komische – noch etwas werden kann. Inklusive Jasmin, die nicht auf die Rolle der lächelnden Hausfrau beschränkt bleiben muss (zumal „Honigfrau“ Gröschel bald auch im Dresdner „Tatort“ zeigen wird, dass sie das Zeug zur Ermittlerin hat), wären es sogar drei Protagonisten, eine Ménage à trois, die es so sonst nicht gibt. Man sollte aber darauf bestehen, dass für jede neue Krimiserie eine alte weichen muss.

          Schwartz & Schwartz: Mein erster Mord läuft heute um 20.15 Uhr im ZDF.

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