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„His Dark Materials“ bei Sky : Wenn die Eisbären Rüstung tragen

Auge in Auge mit dem inneren Tier: Lyra Belacqua (Dafne Keen) und ihr „Daemon“ Pantalaimon beraten, was zu tun ist. Bild: HBO

Für alle, die schon immer wissen wollten, wie der innere Schweinehund aussieht: Sky zeigt „His Dark Materials“ nach Romanen von Philip Pullman. Die Serie führt in eine Parallelwelt, die von einer bösen Kirche beherrscht wird.

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          Eine Welt, in der sich die Seele, also das Wesen eines Menschen, als tierischer Begleiter für alle sichtbar manifestiert, ist charmant. Der Trick ist: Man spielt die Idee mit den Menschen durch, mit denen man es täglich zu tun hat. „His Dark Materials“, die vielfach ausgezeichnete Fantasy-Roman-Reihe des Briten Philip Pullman, hat diese Idee in die Literatur eingeführt. Sie ist nach einem ursprünglich als Trilogie geplanten, aber nicht fortgesetzten Film („Der Goldene Kompass“, Chris Weitz, 2007) nun von HBO und BBC als Serie verfilmt worden. Und sie stellt rasch klar: Viele Menschen glauben, sie schritten mit einem Löwen durchs Leben. Doch hier bekommen sie den Pudel an die Seite, der ihnen am ehesten entspricht.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass auch der Pudel besser ist als sein Ruf, weiß Pullman. Seine Trilogie, bestehend aus „Der Goldene Kompass“ (Northern Lights, 1995), „Das Magische Messer“ (The Subtle Knife, 1997) und „Das Bernstein-Teleskop“ (The Amber Spyglass, 2000), später durch Vorgeschichten (und geplante Fortsetzungen) ergänzt, speist sich aus der Bewunderung für John Miltons „Paradise Lost“, in dem der Weg zum Sündenfall aus der Sicht Luzifers erzählt wird. Schon der Titel der Reihe ist Milton-Zitat: „Bis dem allmächtigen Schöpfer einst gefällt, / Mehr Welten aus dem finstern Stoff zu bilden ...“ Im Original: „Unless th’ Almighty Maker them ordain / His dark materials to create more Worlds ...“

          Die kritische Antwort auf C.S. Lewis’ „Chroniken von Narnia“

          Reaktionen katholischer Publikationen auf Pullmans Werk waren verschnupft und reichten von „Atheismus für Kinder“ bis zu „verbrennenswürdig“. In „His Dark Materials“ wird die Welt – eine von mehreren innerhalb eines vielschichtigen Multiversums – vom „Magisterium“ beherrscht, einer Art Staat gewordenen Kirche mit diktatorischen Auswüchsen, die in jener unserer nicht unähnlichen Parallelwelt aus dem Papsttum hervorgegangen ist, sich eine „Schweizergarde“ als Exekutive hält und wissenschaftliche Erkenntnisse nach ihrem Bilde formt. Pullman selbst sieht sein Werk als Antwort auf C.S. Lewis’ zwischen 1950 und 1956 veröffentlichte „Chroniken von Narnia“, in denen das Phantastische als Variation christlicher Figuren und Parabeln dient. Pullmans Replik ist keine freundliche: Dem „Guardian“ sagte er 2002, er halte Lewis’ Werk für frauenverachtend und rassistisch.

          Pullmans treibende Kraft ist auch in der Serie die Versuchung – und zwar jene einer anderen Welt. Pullman bedient ein Genre, das die Historikerin Farah Mendlesohn als „Liminal Fantasy“ bezeichnet. Bei ihr bezeichnet der Begriff den Moment, an dem der Protagonist an der Schwelle (zu etwas anderem) steht, und das Phantastische zunächst dadurch entsteht, dass er sich dem Übertritt verweigert. Das Raffinierte bei Pullman ist: Er kehrt die Verhältnisse um. Hier ist es die uns bekannte Welt, die in die ähnliche Parallelwelt hineinragt. Die Menschenwelt respektive die Schwelle zu ihr, wird zum Phantastischen. In der Serie schimmert sie in der Ferne durch das Nordlicht, wie ein hell erleuchteter Vergnügungspark.

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