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Reform von WDR 3 : Literatursnack

Literatur und was man im Radio daraus macht: WDR-Gebäude in Köln. Bild: dpa

Keine festen Sendeplätze mehr für Literatur bei WDR 3, keine feste Form. Was bleibt? Eine Schriftstellerin und der Literaturrat NRW machen sich einen Reim darauf. Sie dürften richtig liegen.

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          Nichts Genaues weiß man nicht, was die Zukunft der Literaturkritik bei WDR 3 angeht, und fragt man den Sender, wird man nicht schlauer. Den freien Autoren wurde signalisiert, dass es mit festen Plätzen für Rezensionen vorbei und die Vergabe von Aufträgen von März an fraglich ist.

          Das ist ziemlich eindeutig, solange man sich nicht in den Äußerungen des Wellenchefs Matthias Kremin verirrt, der auf die Frage, ob die tägliche Literaturkritik in der Sendung „Mosaik“ wegfalle, sagte, dass sei „so nicht richtig“, was wegfalle, seien „der feste Sendeplatz und die feste Form“.

          Was dann übrig bleibt, darauf macht sich die Schriftstellerin Kathrin Röggla im Deutschlandfunk einen Reim. Nicht mehr vom Kultur- und Bildungsauftrag unserer öffentlich-rechtlichen Anstalten“ sei die Rede, sondern von „Snackability“ und „schwelgerischer Unterhaltung, weniger vom demokratischen Feuer und sozialen Kitt. Auch nicht von den vielen Perspektiven, die sich durchaus mit einem lustvollen Kritikbegriff verbinden lassen.“ Eine der absurdesten Aussagen, die sie aus dem Jahr 2020 mitnehme, laute: „Um das lange Wort zu retten, müssen wir es kürzen.“

          Was aus den Offizialetagen des WDR verlautet, erinnert in der Tat sehr an den Nebelkerzenweitwurfmarathon, mit dem der Hessische Rundfunk den Umbau der Kulturwelle HR2 begleitet hat. Der Literaturrat NRW sieht mit Blick auf den Wegfall aller festen Programmplätze für Literatur bei WDR 3 (Mosaik, Mosaik Samstagsgespräch, Lesezeichen, Gedicht) und die Absicht, „die Berichterstattung über Bücher und literarische Themen danach zu richten, was aktuell und ,gesprächswertig‘ ist“, die Gefahr, „dass bei WDR 3 nur noch laufen soll, was auch überall anders zu lesen, zu hören und zu sehen ist und dem Publikum bereits bekannt war“. Mit „Entdeckungen jenseits des Mainstreams“ sei „nicht mehr zu rechnen“. Kommt uns alles irgendwie bekannt vor. Wir schalten um zum Hessischen Rundfunk.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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