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Wegweiser für Jürgen Klopp : Und lockend ruft das englische Eiland

Das April-Cover des Londoner Fußballmagazins „Four Four Two“ Bild: Verlag

Was nach einem Aprilscherz aussah, könnte nun Wirklichkeit werden: Schon vor vierzehn Tagen sagte das führende Londoner Fußballmagazin „Four Four Two“ Jürgen Klopp eine englische Zukunft voraus.

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          Es sah nach einem Aprilscherz aus: Am ersten Tag dieses Monats, einem Mittwoch, erschien „Four Four Two“, das so renommierte wie seriöse, in siebzehn Ländern und jenseits des Englischen in acht weiteren Sprachen publizierte Londoner Fußball-Hochglanzmagazin mit einem Coverfoto des verschmitzt lächelnden Jürgen Klopp.

          Jochen Hieber

          Freier Autor im Feuilleton.

          Gewandet ist der Trainer zwar noch stil- und vertragsgerecht in das gelbe Trikot des Ballsportvereins Borussia 09 e.V. Dortmund. Aber ober- und unterhalb der in Versalien über das ganze untere Seitendrittel gesetzten Überschrift „KLOPP“ haben die Redakteure der Monatsschrift zwei nicht minder unübersehbare Textzeilen gestellt, die in vier Fragen münden. Sie lauten: „Arsenal?“ „Man City?“ „Man Utd?“ und schließlich: „Who Will Land the World’s Hippest Coach?“

          Dass, wie auch die breit recherchierte Titelgeschichte im Inneren des Blattes insinuierte, der aktuelle BVB-Trainer alsbald vom FC Arsenal, dem Tabellenzweiten der Premier League, oder von den beiden gleich auf den Londoner Klub folgenden Stadtrivalen aus Manchester auf die Insel gelockt und dort an Land gezogen werde, hat seit gestern, genau vierzehn Tage nach dem Monatsersten, zumindest keinen Scherz-Charakter mehr - ist aber auch noch keine Tatsache. Es wird, das ist leicht abzusehen, nach Klopps Rücktritt beim BVB nun erst einmal eine Schamfrist geben - und was dann geschieht, wird sich weisen.

          Was den Dichter Italien, ist den Fußballern England

          Einen Wegweiser aber gibt es durchaus. Und für den Rest des Monats muss sich „Four Four Two“ keine Absatzsorgen machen. Denn jetzt ist aus der wohl schon am 1. April nicht grundlosen Spekulation eine Zukunftsgeschichte in der Möglichkeits-, mehr noch: in der Wahrscheinlichkeitsform geworden - auch wenn Klopp eines mit Sicherheit nicht tun wird: ein potentiell nächstes und neues Team im Vier-vier-zwei-System antreten zu lassen, in jener Formation also, die vor gut zwanzig Jahren, als die britische Zeitschrift erstmals erschien, das Modernste des Modernen war.

          Pressekonferenz in Dortmund : BVB-Trainer Jürgen Klopp erklärt Gründe für Rücktritt

          Ob Stil und Zeitpunkt von Klopps Dortmunder Rücktritt angemessen waren, wird in den nächsten Tagen allseits debattiert werden, die unvergleichliche Dortmunder Südtribüne, also die Gelbe Wand, wird am kommenden Samstag beim Heimspiel gegen Paderborn ihre Meinung dazu fünfundzwanzigtausendfach nicht verhehlen. Allerdings spricht nach sieben großartigen BVB-Jahren, vor allem aber angesichts der desillusionierenden Lage in der noch laufenden Saison, vieles für die Richtigkeit der Entscheidung. Und es spricht vieles für die englische Liga in der kommenden Spielzeit. Warum?

          Wenn für deutsche Dichter und Künstler stets Italien das Land der Sehnsucht war, so sind es für die Poeten und Artisten des Fußballs allemal noch England und dessen erste Liga. Deutsche Spieler sind dort längst an der Tagesordnung, deutsche Trainer aber hat es, sieht man von Felix Magaths äußerst kurzem Gastspiel beim Absteiger FC Fulham im vergangenen Jahr einmal ab, dort noch nie gegeben.

          Einst Cheftheoretiker der Viererketten - und nach wie vor mit einer Sehnsucht nach der Premier League: Ralf Rangnick
          Einst Cheftheoretiker der Viererketten - und nach wie vor mit einer Sehnsucht nach der Premier League: Ralf Rangnick : Bild: dpa

          Als Ralf Rangnick, einst der Cheftheoretiker der Viererketten, im Dezember 2005 nach seiner berühmt-berüchtigten Ehrenrunde den FC Schalke ein erstes Mal verließ, machte er kein Hehl aus der Hoffnung, alsbald in der Premier League Fuß zu fassen - dass er stattdessen zunächst in Hoffenheim und danach in Salzburg wie Leipzig Fußballerfindungs-, also Pionierarbeit leistete und leistet und deshalb 2012 ein sehr konkretes Angebot des Traditionsklubs West Bromwich Albion ablehnte, lässt sich unschwer nachvollziehen. Die Sehnsucht aber bleibt, sogar unabhängig von den mehr als stattlichen Gagen, die es in der Premier League schon bisher, vor allem aber angesichts des neuen Fernsehvertrags von Sommer 2016 an zu verdienen gibt.

          Jürgen Klopp könnte dann schon ein Jahr lang auf der Insel sein. Wer den „hippsten Trainer der Welt“ an Land ziehen wird, muss unsere Sorge nicht sein. Hauptsache, Dortmund endet versöhnlich und gut.

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