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Wegen Hitler-Vergleichs : Erdogan-Anhänger bedrohen französisches Magazin

  • Aktualisiert am

Recep Tayyip Erdogan spricht auf einer Wahlkundgebung zu seinen Anhängern. Bild: AP

In seiner aktuellen Ausgabe zieht das französische Polit-Magazin „Le Point“ Parallelen zwischen Hitler und dem türkischen Präsidenten Erdogan. Anhänger der AKP protestieren nun vor Zeitungskiosken.

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          Nach einem Vergleich des türkischen Präsidenten mit Adolf Hitler haben Anhänger von Recep Tayyip Erdogan das französische Magazin „Le Point“ bedroht. Die Redaktion habe im Internet Hasskommentare erhalten, teilte das Magazin am Montag auf seiner Website mit. Das Titelbild der aktuellen Ausgabe zeigt ein Erdogan-Foto mit dem Text: „Der Diktator. Wie weit wird Erdogan gehen?“ Im Leitartikel wird die Frage aufgeworfen: „Ist Erdogan der neue Hitler?“

          An Zeitungskiosken gab es am Wochenende auch Proteste gegen das Titelbild. „Le Point“ warf den Unterstützern der türkischen Regierungspartei AKP vor, „Symbole der Meinungsfreiheit und der Vielfalt der Presse anzugreifen“. Nach Angaben der Redaktion hatten Unterstützer Erdogans am Freitag in der Nähe von Avignon Druck gemacht, Plakate mit dieser Titelseite von einem Kiosk abzuhängen. Der Generaldirektor des Unternehmens MédiaKiosk, das für die Werbung zuständig ist, bestätigte dies gegenüber der französischen Ausgabe der „Huffington Post“. Die Plakate wurden später wieder aufgehängt. „Le Point“ hatte zudem von einem ähnlichen Vorfall in Valence berichtet.

          Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat die Pressefreiheit verteidigt. „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass Plakate von @LePoint von Pressekiosken abgehängt werden, weil sie den Feinden der Freiheit - in Frankreich wie im Ausland - nicht gefallen“,
          teilte Macron am Montagabend auf Twitter mit. „Die Pressefreiheit hat keinen Preis: Ohne sie, das ist die Diktatur.“

          „Le Point“ gehört zu den bekanntesten Polit-Magazinen in Frankreich. Ein führender Politiker der Regierungspartei La République en Marche (LREM), Richard Ferrand, nannte die Proteste der Erdogan-Anhänger eine „inakzeptable Verletzung der Meinungsfreiheit“. Dem Sender France 3 sagte er, Frankreich werde keine „Zensur“ tolerieren.

          Am 24. Juni finden in der Türkei vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Mit der Wahl tritt eine umstrittene Verfassungsreform in Kraft, welche die Rechte von Präsident Erdogan massiv stärkt.

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