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AfD in Talkshows? : WDR-Spitze verteidigt Frank Plasberg

  • Aktualisiert am

TV-Moderator Frank Plasberg sieht sich und seine Sendung teilweise heftiger Kritik ausgesetzt. Bild: dpa

Der Rundfunkrat des WDR hat sich mit der letzten Ausgabe von „hart aber fair“ befasst, in welche der AfD-Politiker Uwe Junge eingeladen war. Für die Sendung gab es Lob und weiterhin harte Kritik.

          Der WDR-Intendant Tom Buhrow und der Programmdirektor Jörg Schönenborn haben den Talkmoderator Frank Plasberg verteidigt. Der Auftritt des AfD-Politikers Uwe Junge in Plasbergs Sendung „Hart aber fair“ über rechten Hass am vergangenen Montag hatte für heftige Kritik gesorgt. Buhrow erklärte am Freitag vor dem WDR-Rundfunkrat in Köln, es wäre absurd gewesen, wenn die Redaktion nicht die Seite eingeladen hätte, die man in die Verantwortung nehmen wolle.

          Die Talkrunde stand unter dem Titel „Aus Worten werden Schüsse - wie gefährlich ist rechter Hass?“. Zuschauer hatten Plasberg in sozialen Netzwerken vorgeworfen, Äußerungen des rheinland-pfälzischen AfD-Vorsitzenden nicht kritisch genug hinterfragt zu haben. Für besonders große Kritik sorgte Plasbergs Aussage, er hoffe, Junge habe nicht den Eindruck gehabt, an einem Tribunal teilzunehmen.

          Kritik an der Kritik

          Laut dem Rundfunkratsvorsitzenden Andreas Meyer-Lauber sind bei dem Aufsichtsgremium dreizehn Zuschauer-Eingaben zu der Sendung eingegangen. Diese hätten zum Teil heftige Kritik an der Sendung und am Moderator enthalten, es habe aber auch Kritik an der Kritik gegeben.

          Die Runde bei Frank Plasberg am vergangenen Montag: Uwe Junge (AfD), Georg Mascolo (NDR,WDR,SZ), Herbert Reul (CDU), Irene Mihalic (Grüne), Mehmet Daimagüler (Strafverteidiger, von links).

          Buhrow verwies darauf, dass es in der Sendung vier weitere Gäste gegeben habe, die „dem anderen Spektrum“ als der AfD zugehörten. Logischerweise sei die Moderation einer solchen Sendung ein Balanceakt. Schönenborn lobte ausdrücklich die „zivile Auseinandersetzung“, die „argumentative Sendung“ und den „sehr ruhigen und zurückhaltenden“ Moderator. Der Programmdirektor erläuterte, die Redaktion habe bewusst einen fairen Umgang mit dem AfD-Vertreter angestrebt.

          Scharfe Kritik äußerte im Rundfunkrat die SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Hammelrath. Zwar bestehe im Programmausschuss des WDR-Aufsichtsgremiums Einvernehmen darüber, „dass man die größte Oppositionspartei selbstverständlich einladen muss“. Angesichts der hohen Zahl von Todesopfern rechtsextremer Gewalt seit 1990 sei die Dramatik der Situation in der Sendung aber überhaupt nicht zur Geltung gekommen. Auch weitere Gremienmitglieder kritisierten die Sendung, in der Mehrzahl wurde eine Einladung von AfD-Vertretern in Talkshows jedoch nicht grundsätzlich infrage gestellt.

          Der AfD-Vertreter im Rundfunkrat, der Landtagsabgeordnete Herbert Strotebeck, erklärte, der Titel habe zwar ein Tribunal erwarten lassen. In der Sendung aber habe „Herr Junge unsere Partei gut vertreten, und Herr Plasberg ist einfach nur fair gewesen.“ An der Talkrunde hatten neben Junge die Grünen-Politikerin Irene Mihalic, der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU), der NSU-Opferanwalt Mehmet Daimagüler und der Journalist Georg Mascolo teilgenommen.

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