https://www.faz.net/-gqz-8nthw

Angebliche Hilfe für die PKK : WDR-Reporterin droht Prozess in der Türkei

  • Aktualisiert am

Journalistin Hatice Kramer Bild: dpa

Sie wollte über ein Grubenunglück in der Türkei berichten, dann wurde die WDR-Reporterin Hatice Kamer festgenommen. Nun ist sie wieder frei, allerdings droht ihr ein Prozess. Der Vorwurf: Sie soll die PKK unterstützt haben.

          1 Min.

          Der in der Türkei festgenommenen WDR-Reporterin Hatice Kamer droht ein Strafprozess. Man werfe ihr in einer Anklage vor, durch ihre Berichterstattung die Terrororganisation PKK unterstützt zu haben, berichtete Kamer nach ihrer Freilassung in einem Telefonat dem WDR. Kamer war am Samstag von der Polizei festgenommen worden und kam am Sonntag wieder frei, teilte der WDR mit.

          Journalistin Kamer wollte über das Grubenunglück in der Provinz Siirt vor mehr als einer Woche berichten.

          Für den Vorwurf der Terrorhilfe gebe es keinerlei Belege, habe die 39 Jahre alte Journalistin erklärt. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hatte die Festnahme der BBC- und WDR-Reporterin verurteilt. Kamer zähle zu den ganz wenigen Kollegen, „von denen wir noch unabhängige Nachrichten aus dem Land bekommen haben“, erklärte der DJV-Vorsitzende Frank Überall.

          Türkei weit hinten auf der Rangliste der Pressefreiheit

          Hatice Kamer war am Samstag festgenommen worden, als sie für die BBC über ein Grubenunglück in der südosttürkischen Provinz Siirt berichten wollte. Bei der Festnahme sei ihr vorgeworfen worden, auf militärischem Territorium Fotos gemacht zu haben. „Ich hoffe, dass es der Kollegin physisch wie psychisch den Umständen entsprechend gut geht“, sagte Überall. „Nun hoffe ich aber auch, dass sie im WDR ihre Beiträge für ’Türkei unzensiert’ wieder ungehindert liefern kann.“

          Kamer berichtet für den britischen Sender BBC, den Westdeutschen Rundfunk (WDR) und Voice of America. Der DJV hatte die Bundesregierung aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Kamer umgehend freigelassen werde.

          Nach der Ausrufung des Ausnahmezustands am 21. Juli geht die Regierung in der Türkei hart gegen kritische Medien vor. Nach Angaben der unabhängigen Journalistenplattform P24 sitzen mehr als 140 Journalisten in Haft – das sind mehr als in jedem anderen Land der Welt. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen lag die Türkei bereits vor dem Putschversuch im Juli und der anschließenden Ausrufung des Ausnahmezustands auf Rang 151 von 180 Staaten.

          Weitere Themen

          Das Radio macht den Menschen Mut

          Corona-Krise in Spanien : Das Radio macht den Menschen Mut

          Wegen der Corona-Pandemie dürfen die Spanier nicht auf die Straße, nicht auf die Plätze. Das brachte ein paar Findige auf die Idee, ein Radioprogramm zum Platz für alle zu machen. In kurzer Zeit wurde „Radio Patio Cuarentena“ zum Hit.

          Topmeldungen

          Ungebrochene Nachfrage: Ein Kurier liefert in New York City Amazon-Pakete aus.

          Der Gigant und die Krise : „Amazon ist fast schon systemrelevant“

          Die Handelsplattform versorgt die Kunden in Corona-Zeiten mit dem Wichtigsten und baut ihre Marktanteile aus. Doch das Wachstum bringt auch Probleme mit sich. Noch ist nicht klar, wie der Onlinehandel nach der Krise aussehen wird.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.