WDR-Mitarbeiter melden sich :
Keine „mafia-ähnlichen Strukturen“

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Der WDR wird von einem Redakteur wegen „Nichtbeschäftigung“ verklagt.
Mehr als hundert Mitarbeiter des WDR-Newsrooms wenden sich gegen die Darstellung, sie arbeiteten in einem „Staat“, in dem es keine Gewaltenteilung gebe. Das Gegenteil sei der Fall.

Der Berichterstattung des „Kölner Stadt-Anzeigers“ und der Redaktionsgruppe „Correctiv“ zu der Klage, die der WDR-Redakteur Jürgen Döschner gegen seinen Arbeitgeber wegen angeblicher „Nichtbeschäftigung“ angestrengt hat, widerspricht nicht nur der Sender. Mehr als 100 feste und freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WDR-Newsrooms wenden sich in einem Leserbrief an die Zeitung und an „Correctiv", und weisen die negative Darstellung „der Strukturen und Arbeitsbedingungen im WDR“ zurück.

In ihrerredaktionellen Heimat“, so die WDR-Leute, herrschten keine „mafia-ähnlichen Strukturen“, sie sei auch nicht, wie behauptet, vergleichbar mit „einem Staat“, in dem „die Gewaltenteilung nicht gegeben“ sei. Das entspreche mitnichten den Gegebenheiten im Newsroom und auch nicht denen im Sender. Der Vorwurf, sie könnten nicht kritisch über den Energiekonzern RWE berichten, sei „nicht nachvollziehbar“: „Wir sind angesichts solcher Aussagen erschüttert und fassungslos“, schreiben die WDR-Mitarbeiter.

Sie seien „stolz auf unsere Diskussionskultur“, hätten „unterschiedliche Perspektiven, Haltungen und Einstellungen bei jeder Geschichte, jedem Thema“ – und äußerten sie auch. Würde jemand „von oben“ versuchen, die Berichterstattung zu steuern, würde das „unten“ nicht akzeptiert. Man wünsche sich, „dass der Streit zwischen dem klagenden Redakteur und dem WDR nicht auf den gesamten Kollegenkreis ausgeweitet wird“.

Zu der Klage des WDR-Redakteurs Jürgen Döschner wegen „Nichtbeschäftigung“ hatten der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Correctiv“ ein denkbar negatives Bild von der Arbeitsatmosphäre im WDR gezeichnet. Döschners Anwalt wird mit der Einlassung zitiert, sein Mandant habe seit 2015 kaum noch journalistische Beiträge absetzen können. Als „mutmaßlicher“ Grund dafür wurde in der Berichterstattung Döschners kritische Haltung gegenüber dem RWE-Konzern genannt.

Dem widersprach der WDR. Döschner, so der Tenor, habe sich in die Arbeitsabläufe im Sender nicht eingefügt und selbst ins Abseits gestellt. Einen Tweet zum Dieselskandal, in dem er von „Vergasen“ sprach – was seinerzeit für Aufsehen sorgte –, habe Döschner selbst später schriftlich bedauert. Man habe, so der WDR, alles versucht, den arbeitsrechtlichen Konflikt intern fair zu lösen.