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WDR-Intendantenwahl : Raff springt ab

Wird nicht Intendant des WDR: Fritz Raff Bild: dpa

Der Kreis der Kandidaten für den Posten des WDR-Intendanten lichtet sich: Fritz Raff, designierter Vorsitzender der ARD, hat seinen Verzicht erklärt. Eine Niederlage in einer Kampfabstimmung hätte er sich auch kaum erlauben können.

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          Es hatte sich abgezeichnet: Fritz Raff, der Intendant des Saarländischen Rundfunks und designierte Vorsitzende der ARD, steht nicht mehr für die Nachfolge seines Kollegen Fritz Pleitgen beim Westdeutschen Rundfunk zur Verfügung. Er habe den Vorsitzenden des WDR-Rundfunkrates, Reinhard Grätz, am Wochenenden in einem Telefongespräch gebeten, ihn nicht länger als möglichen Nachfolger von Fritz Pleitgen in Betracht zu ziehen, teilte Raff mit. Er wolle sich auf die Übernahme des ARD-Vorsitzes am 1. Januar konzentrieren.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Angesichts der bisherigen Übung in der ARD, daß nur die im ARD-internen Finanzausgleich ,gebenden Anstalten' diese Aufgabe übernehmen konnten, ist dies ein Novum und eine erhebliche Verantwortung“, sagte Raff. Sein Sender und dessen Gremienvorsitzenden hätten sich intensiv auf diese Aufgabe vorbereitet.

          Ein „ehrenvolles“ Angebot

          In den vergangenen Tagen, sagte Raff weiter, sei er „sowohl von Kolleginnen und Kollegen wie auch von Gremienmitgliedern nochmals nachhaltig gebeten“ worden, „beim Saarländischen Rundfunk zu bleiben. Sie wollte ich nicht enttäuschen. Auch gegenüber der ARD sehe ich mich in der Pflicht.“ Er habe sich nicht als Kandidat für den WDR gefühlt oder gesehen, dennoch habe er es als „ehrenvoll“ betrachtet, für die Leitung des Senders in Betracht zu kommen.

          Da waren es nur noch drei: Um die Nachfolge von Fritz Pleitgen (oben links) bewerben sich noch Nikolaus Brender (rechts), Monika Piel (unten links) und Werner Hahn (nicht im Bild).

          Raff war im September des vorigen Jahres einstimmig als Intendant des Saarländischen Rundfunks wiedergewählt worden, am 1. August hat er seine dritte Amtszeit aufgenommen. Sie endet am 31. Juli 2012.

          Das Terrain lichtet sich

          Der eigentliche Grund Raffs, wenige Tage vor der Wahl abzusagen, dürfte aber - neben der Wertschätzung, die er ohne Zweifel im Saarland und darüber hinaus erfährt - vor allem darin liegen, daß er sich - als künftiger ARD-Chef - kaum einer Kampfabstimmung mit vier Bewerbern stellen konnte, an deren Ende er eventuell als Verlierer dagestanden wäre. Beim SR fest im Sattel, beim WDR nicht zum Zug gekommen - so läßt sich der ohnehin häufig genug auseinanderstrebende Senderverbund der ARD kaum bändigen.

          Damit lichtet sich das Terrain beim WDR. Jetzt sind nur noch drei Kandidaten im Rennen: die WDR-Hörfunkdirektorin Monika Piel, der NDR-Justitiar Werner Hahn und der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Er hatte sein Interesse am Wochenende öffentlich bestätigt. Einen Dämpfer bekommt durchs Raffs Absage jedenfalls die Geheimdiplomatie des WDR-Rundfunkratsvorsitzenden Grätz. Er hatte die Sommerpause genutzt, die potentiellen Kandidaten in Einzelgesprächen zu treffen. Der vom Rundfunkrat berufene Wahlvorbereitungsausschuß, der schon im Mai gegründet worden war und eigentlich vor der Wahl sondieren sollte, blieb außen vor.

          Dämpfer für Grätz' Geheimdiplomatie

          Zum Eklat kam es in der Rundfunkratssitzung vor zwei Wochen, als den Mitgliedern des Gremiums klar wurde, daß Grätz sie solange wie möglich im unklaren halten wollte - er verriet nicht einmal, mit wem er sich getroffen hatte. Doch blieb nicht verborgen, daß er sich als vermeintlicher Königsmacher auf dem Platz von Fritz Pleitgen den Intendanten Raff oder den NDR-Mann Hahn am ehesten vorstellen konnte. Für den ZDF-Chfredakteur Nikolaus Brender wiederum gibt es Sympathien im Sender und beim Intendanten Pleitgen.

          Außen vor blieb bei den Hinterzimmerberatungen eine grundsätzliche Verständigung darüber, was man von dem künftigen Intendanten des WDR denn eigentlich erwartet. Darüber wird sich der Rundfunkrat nun in einer Sondersitzung am kommenden Samstag unterhalten. Nur zwei Tage später - am Montag nächster Woche - soll gewählt werden. Beim WDR steht nun wie wenige Tage später im SWR ein Kandidaten-Triumvirat zur Wahl.

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