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WDR-Hörfunkdirektor Schmitz : Wer nicht streiten kann, ist scheintot

  • Aktualisiert am

Streitbar: WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz Bild: WDR/Bettina Fürst-Fastré

Die Radiowelle WDR 3 steht vor der Reform. Der Plan ist umstritten, der Rundfunkrat hat eine Vorlage abgelehnt. Von WDR-Hörfunkchef Wolfgang Schmitz wollen wir wissen, was ein modernes Kulturradio ausmacht. Ein Interview.

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          Die Radiowelle WDR 3 steht vor der Reform. Der Plan ist umstritten, der Rundfunkrat hat eine Vorlage abgelehnt. Von WDR-Hörfunkchef Wolfgang Schmitz wollen wir wissen, was ein modernes Kulturradio ausmacht.

          Es scheint in Ihren Redaktionen massiven Widerstand gegen die Programmreform von WDR 3 zu geben. Und auch der Rundfunkrat stellt sich quer. Man wirft Ihnen „Entwortung“ und „Entintellektualisierung“ vor.

          Als Hörfunkdirektor stehen Sie nicht eines Morgens mit dem Gedanken auf: Heute wird das Programm reformiert. WDR 3 hat ein sehr gutes Image, es ist einer der wichtigen Kulturleuchttürme in unserem Land, bekannt für hochwertige Musikbeiträge und Qualitätsjournalismus. Das soll so bleiben. Gleichzeitig wollen wir etwas gegen abnehmende Hörerzahlen unternehmen.

          Warum spielt das bei einem öffentlich-rechtlichen Sender eine Rolle?

          Ein Kulturradio wie WDR 3 steht nicht unter Quotenzwang. Wir haben aber über zwei Jahre hinweg beobachtet, dass wir Hörer verlieren. Und da fangen wir an, uns Sorgen zu machen. Denn letztlich ist dies auch eine Frage der Akzeptanz und Relevanz eines Programms. Ein Programm, das am Ende nicht einmal bei denen sonderlich erfolgreich ist, die ein Interesse an Kultur haben, bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück und droht an Bedeutung zu verlieren.

          Stimmen die Zahlen noch? Sie haben weniger als 250.000 Hörer - am Tag.

          Es sind mittlerweile weniger. Der Abwärtstrend hat sich leider fortgesetzt. Und wir haben inzwischen ein Durchschnittsalter von 66 Jahren.

          Ihnen stirbt die Zuhörerschaft davon?

          Diejenigen, die einen Kultursender einschalten, sind dieselben, die abends in Theatern und Konzertsälen sitzen. Für dieses spezifische Milieu gibt es kaum Nachwuchs. Zwar interessieren sich auch jüngere Leute für Kultur. Sie haben allerdings ein anderes Verständnis davon. Auch wenn es ein schwieriger Spagat ist, wollen wir unsere Stammhörer behalten und Jüngere dazugewinnen.

          Haben Sie nicht alle Mittel in der Hand, hier prägend zu wirken?

          Den klassisch bildungsorientierten Hörern steht eine Zielgruppe gegenüber, die nicht nur auf die Hochkultur abonniert ist. Die gehen auch ins Kino und schauen Serien im Privatfernsehen. Unter ihnen sind selbst leistungsorientierte Hörer, die das Radio einschalten, um morgens eine Buchbesprechung zu hören, damit sie abends auf der Party mitreden können - auch wenn sie das Buch selbst gar nicht gelesen haben. Dieses Potential gilt es auszuschöpfen.

          Wird das Ihre neue Zielgruppe sein?

          Das beschreibt zunächst einmal die Herausforderung, vor der wir stehen. Wie kann WDR 3 ein neues Publikum finden, ohne dass wir den Anspruch an die Qualität aufgeben?

          Auch Qualität ist leider ein dehnbarer Begriff. Meinen Ihre Redakteure.s

          Es gibt eine kleinere Gruppe von Redakteuren, die sozusagen die Lufthoheit über diese Frage beansprucht. Natürlich kann ich sagen: Ein Beitrag hat Qualität, wenn er eine Viertelstunde dauert. Aus meiner Sicht hat eine solche Argumentation wenig Sinn. Wir alle wissen, dass auch kürzere anspruchsvolle Beiträge möglich sind, um die Leute zum Nachdenken zu bewegen oder neugierig auf Unbekanntes zu machen.

          Wenn am Ende aber bloß Platz für ein Dutzend Wortminuten pro Stunde übrig bleibt, wie Sie das planen . . .

          . . . der Vorwurf der „Entwortung“ ist ein geradezu unerträglicher Kampfbegriff geworden. Der WDR hat verschiedene Programme im Angebot. Eines davon, WDR 5, besteht zu achtzig Prozent aus Wortbeiträgen. WDR 3 ist von der Prägung her ein Musikprogramm.

          Die Vorwürfe rühren auch daher, dass schon die Reform 2004 den Wortanteil gesenkt hat.

          Ja, sicher. Nur wurde die Sache damals nicht ganz zu Ende gedacht. Wir haben einen neuen Medien-Nutzungstypus vor uns, der mit Magazinradio groß wurde, nicht mit sogenanntem „Einschaltradio“. Besonders nachmittags müssen wir eine neue Dramaturgie für WDR 3 entwickeln.

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