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Sexuelle Belästigung im WDR : Wulf-Mathies soll Vorwürfe klären

  • -Aktualisiert am

Monika Wulf-Mathies soll den Umgang der WDR-Spitze mit den Vorwürfen prüfen. Bild: dpa

Der WDR kämpft seit Wochen mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung. Zur Klärung der Anschuldigungen holt der Sender nun Hilfe von außen.

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          Bei der Aufklärung der Vorwürfe sexueller Belästigung gegen WDR-Mitarbeiter soll jetzt eine Außenstehende helfen. Die frühere Gewerkschafterin Monika Wulf-Mathies soll prüfen, wie der Kölner Sender mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung umgegangen ist. Sie solle vollkommen unabhängig arbeiten, sagte der WDR-Intendant Tom Buhrow. Sie erhalte uneingeschränkten Zugang zu allen Informationen und Gesprächspartnern: „Wir haben nichts zu verbergen.“

          Wulf-Mathies war von 1982 bis 1994 Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, im Anschluss daran für vier Jahre EU-Kommissarin. Sie setzt sich für eine Null-Toleranz-Politik gegenüber jeder Form von Belästigung ein: „Die bisherige Debatte hat gezeigt, dass es für Frauen leider immer noch sehr schwer ist, sich gegen Diskriminierung zu wehren und sich in von Männern dominierten Machtstrukturen Gehör zu verschaffen.“ Man müsse ein Klima schaffen, in dem sich Frauen angstfrei über solche Fälle beschweren könnten. Wichtig seien transparente Verfahren und Regelungen sowie klare Ansagen, dass Verstöße sanktioniert würden.

          Beim WDR gibt man sich einsichtig. „Es sind Fehler passiert, ganz sicher“, sagte Intendant Tom Buhrow. Er glaube aber nicht, dass das Thema sexuelle Belästigung beim WDR grundsätzlich ausgeblendet oder nicht ernst genommen werde. Stand jetzt gibt der Sender einen nachgewiesenen Fall sexueller Belästigung an. Wulf-Mathies wird von einer Anwaltskanzlei unterstützt, außerdem hat der Sender noch eine weitere Kanzlei beauftragt, die aktuellen Hinweisen auf sexuelle Belästigung im Sender nachgehen soll.

          Mitarbeiter kritisieren Verhalten der Geschäftsführung

          Seit einigen Wochen herrscht Unruhe im Kölner Sender. Anfang April hatten der „Stern“ und das Recherchebüro „Correctiv“ Berichte veröffentlicht, in denen ein Korrespondent des WDR sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde. Bereits im Jahr 1991 hatte sich eine Praktikantin deswegen über ihn beschwert, der Vorfall war damals mit einem Eintrag in die Personalakte des Mitarbeiters geahndet worden. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe im April wurde der Mitarbeiter vom Dienst freigestellt. Mitte April machten „Stern“ und „Correctiv“ einen weiteren Fall öffentlich, abermals ging es um einen WDR-Mitarbeiter, gegen den Beschwerden von mehreren Kolleginnen vorliegen.

          Nach Bekanntwerden des ersten Falls war die Personalratsvorsitzende Christiane Seitz aus dem zuständigen Interventionsausschuss des Senders zurückgetreten. Am Mittwoch hatte sich die Belegschaft des WDR in einem Brief an den Intendanten gewendet. Darin kritisieren rund siebzig Journalisten, dass die Geschäftsführung zu den Vorwürfen nur schweige, anstatt die weitere Vorgehensweise klar und transparent zu kommunizieren.

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