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Sexuelle Belästigung : WDR kündigt Fernsehfilmchef Henke

  • Aktualisiert am

Bisher war nicht bekannt, was ihm konkret vorgeworfen wird: Gebhard Henke, Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm beim WDR. Bild: WDR/Herby Sachs

Der Westdeutsche Rundfunk trennt sich sich mit sofortiger Wirkung von seinem Fernsehfilmchef Gebhard Henke. Es gebe „glaubhafte Vorwürfe sexueller Belästigung und des Machtmissbrauchs“

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          Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Fernsehfilmchef Gebhard Henke getrennt. Das bestätigte der Sender in einer Pressemitteilung. Als Grund werden „glaubhafte Vorwürfe sexueller Belästigung und des Machtmissbrauchs“ angeführt. Aus Sicht des WDR, so heißt es weiter, bestehe kein „Vertrauensverhältnis“ mehr.

          So hätten dem WDR in den vergangenen Wochen mehr als zehn Frauen über „sexuelle Belästigung und unangemessenes Verhalten“ durch den bisherigen Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie berichtet, „teils in Zusammenhang mit Machtmissbrauch“.

          WDR hält Vorfälle „für schwerwiegend und glaubhaft“

          Laut WDR hat der Sender die entsprechenden Schilderungen geprüft und auch den Beschuldigten angehört. Henke weist die Vorwürfe bis dato zurück. Der WDR hält die von den Frauen geschilderten Vorfälle jedoch „für schwerwiegend und glaubhaft“.

          Zunächst war Henke „freigestellt“ worden, damit man die Vorwürfe in Ruhe klären könne. In einer Stellungnahme wurde der WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn mit den Worten zitiert, er sei „wie viele Kolleginnen und Kollegen, die mit Herrn Henke zusammenarbeiten, immer noch fassungslos, denn Hinweise auf mögliches Fehlverhalten hatte ich nie. Nun hoffe ich, dass die Prüfung Gewissheit bringt. Das schließt selbstverständlich auch eine Entlastung von Vorwürfen nicht aus“. Letzteres scheint nicht mehr der Fall zu sein.

          Im „Spiegel“hatten sechs Frauen Henke konkrete sexuelle Belästigung vorgeworfen. Die Frauen, darunter die Autorin Charlotte Roche, seien von ihm betatscht und begrapscht worden, berichtete das Nachrichtenmagazin. Henke habe den Frauen an den Po oder an den Bauch gefasst, er habe angedeutet, sie zu fördern, und dafür offenbar körperliche Zuwendungen erwartet. Die Vorwürfe reichten von 1990 bis mindestens 2015. Bisher war nicht bekannt, was Henke konkret vorgeworfen wird.

          Wie „Zeit Online“ berichtet, will Henkes Anwalt Peter Raue gegen die Kündigung vorgehen.

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