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WDR-Film „Arbeit Heimat Opel“ : Macht keine großen Pläne

  • -Aktualisiert am

An der Werkbank: Noch wissen die Bochumer Azubis nichts von Opels Ende Bild: WDR

Die Auszubildenden von Opel in Bochum stehen vor dem Aus: Wie der Dreiklang „Arbeit Heimat Opel“ zerbricht und die Hoffnung auf einer sichere Zukunft zerschlagen wird, zeigt ein WDR-Film.

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          „Bei Opel, einem so großen Konzern, das ist schon mega, hier eine Ausbildungsstelle zu haben.“ Der achtzehnjährige Marcel ist einer der wenigen glücklichen Bewerber, für die sich der Autobauer im Werk Bochum 2009 entschieden hat. André, Marcels Azubi-Kollege, freut sich ebenso. Auch er zählt zu „Achtzehn von tausend, die es geschafft haben“. Dreieinhalb Jahre gehören sie zur Mannschaft von Achim Kranz, Hausherr der Bochumer Opel-Ausbildungswerkstatt. Kranz stellt ihnen in seiner Begrüßung in Aussicht, dass sie alle nach ihrer Ausbildung für ein Jahr beschäftigt werden, danach jedoch nur jeder Fünfte unbefristet übernommen werde. So lehrt es ihn seine Erfahrung.

          Doch es wird anders kommen. Kurz vor den abschließenden Prüfungen der Ausbildung teilte die Opelführung am Montag mit, dass von 2016 an in Bochum keine Autos mehr gebaut werden. Eventuell verbleibt eine Komponentenfertigung. Für die Auszubildenden wird es an ihrer Ausbildungsstelle keine Zukunft geben.

          Nüchterne Realität

          Die Filmemacher Ulrike Franke und Michael Loeken interessierten sich frühzeitig für das absehbare Schicksal der Nachwuchsmaschinenbauer und begleiteten sie in ihren Ausbildungsjahren mit der Kamera. An den Anfang ihres Films stellten sie die „Lebensträume“ der Jugendlichen. „Ein sicheres Einkommen“, „eventuell Familie“, „kein Hartz IV“, sagen sie. Einer möchte das Abitur nachholen, anschließend studieren. Zu viel Euphorie lässt sich ihnen nicht nachsagen. Von großen Plänen rät ihnen auch Kranz ab. „Man macht seine Ausbildung und wohnt zu Hause. Dann, wenn man einen sicheren Job hat, kann man immer noch sein eigenes Leben beginnen.“ Er selbst wisse, dass er es seinerzeit leichter hatte - doch das sei vorbei.

          Nach den ersten Zwischenprüfungen, als die Auszubildenden in den Nachrichten hören, dass Opel in Bochum 1800 Arbeitsplätze streichen will, flüchten sie sich in die nüchterne Realität. „Jeder ist sich selbst der Nächste, finde ich“, sagt einer, „ich lebe im Hier und Jetzt“ ein anderer. Auf ihre ungewisse Zukunft scheinen sie gut vorbereitet: „Solange ich Arbeit habe, ist mir alles recht, auch Leiharbeit.“

          Das düstere Bild des Films entstand ausschließlich auf dem Opel-Werksgelände, unterbrochen wird es nur durch Einblendungen von Fernsehnachrichten, die wieder und wieder das Schicksal von Opel behandeln. Einen gesprochenen Kommentar sparten die Filmemacher aus, was schade ist, weil in der Wirklichkeit, der sich der Film dokumentarisch verschreibt, mehr steckt, als sich in seinen Bildern allein zeigen lässt.

          Während nämlich in der Medienwelt in den vergangenen Jahren eine Meldung über die Zukunft von Opel in Bochum die nächste überholte, wurde übersehen, welche Metapher in „Opel Bochum“ steckt. Die Jugendlichen lernten nämlich nicht, Autos zu bauen, sondern Maschinen zu reparieren, die Autos bauen. Und nicht einmal dafür gibt es eine Zukunft. Dass technologischer Fortschritt aber nicht zwingend sozialen Rückschritt bedeutet, wofür die Stadt Bochum seit Jahren steht, das wurde schlicht übersehen.

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