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Medien : WAZ-Chefredakteur vor Entlassung

WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz Bild: dpa

Bei der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ steht Ulrich Reitz auf der Kippe. Der energische Chefredakteur konnte den Leserschwund der Zeitung nicht stoppen.

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          Erst die Nachricht, dann das Dementi, dann das Dementi vom Dementi - so war es Anfang des Jahres bei der Trennung von Geschäftsführer Christian Niehaus gelaufen. Und so könnte es die Funke-Mediengruppe auch mit Ulrich Reitz machen: Der Chefredakteur der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) soll abberufen werden. Noch ist es nicht offiziell, doch nach Informationen dieser Zeitung bereits beschlossen. Schon in der vergangenen Woche hatte der Flurfunk in der Essener Friedrichstraße die Personalie verbreitet.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          In den neun Jahren der Ära Reitz wurde der Medienkonzern mehrfach umgebaut, erst 2013 war die 1948 von Erich Brost (sozialdemokratisch) und Jakob Funke (konservativ) gegründete WAZ, deren Linie von den beiden Familien immer (mehr gegen- als miteinander) austariert wurde, vom Funke-Clan mehrheitlich übernommen worden. Reitz betätigte sich als ein energischer Vollstrecker von verlegerischen Entscheidungen, bis hin zum Ausverkauf der „Westfälischen Rundschau“ (WR) in Dortmund, die nur als Titel fortbesteht, ihre Inhalte aber von Konkurrenz- und Schwester-Zeitungen bezieht.

          Zuvor hatte der gelernte Wirtschaftsredakteur in Essen den „Content Desk“ eingeführt, eine zentrale Mantelredaktion, die alle vier Ruhrgebietstitel - WAZ, WR, „Westfalen-Post“ und „Neue Ruhr-Zeitung“ - beliefert. Achtzig Redakteure wurden dafür zusammengezogen, 330 Kollegen entlassen. Seit 2008 ist die Gesamtanlage, so ein Mediendienst, von 961.106 auf 634.547 Exemplare gesunken. Die Verluste liegen mehr als doppelt so hoch wie im Branchendurchschnitt und lassen sich nur teilweise mit der schrumpfenden Einwohnerzahl des Reviers erklären.

          Ein Redakteur der WAZ erzählte oft, dass sein Chefredakteur morgens aus dem Raum Düsseldorf, wo er wohnt, in die Tiefgarage des Pressehauses fahre - „viel mehr nimmt der vom Ruhrgebiet nicht wahr“. Der fleißige Leitartikler Reitz hat kein aktuelles Thema ausgelassen, zu den Problemen des größten deutschen Ballungsraums aber kaum einmal Stellung genommen. Andreas Tyrock, der ihm nachfolgen soll, dürfte die lokale und regionale Berichterstattung wieder stärken, wie er das in Bonn, wo er seit 2008 Chefredakteur des „General-Anzeigers“ ist, vorführt.

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