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WAZ : Brüssel ruft

Die WAZ im Druck Bild: dpa

Die WAZ-Mediengruppe richtet ein Korrespondentenbüro in Brüssel ein, das für alle Zeitungen der Gruppe arbeiten soll und international besetzt wird. Zudem tritt der bisherige WDR-Sprecher Rüdiger Oppers in die Dienste der WAZ-Gruppe ein.

          Das Jahr 2007 beginnt in der WAZ-Mediengruppe mit großen Schritten. In Brüssel richtet das Unternehmen zum 15. Februar ein Korrespondentenbüro ein, das für alle rund fünfzig Zeitungen der Gruppe arbeiten soll und international besetzt wird. Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ bekommt mit Wilhelm Klümper einen neuen stellvertretenden Chefredakteur. Zudem tritt Rüdiger Oppers, der bisherige Sprecher des Westdeutschen Rundfunks, in die Dienste der WAZ-Gruppe ein. Er wird, wie aus Verlagskreisen verlautet, zum 1. März zur „Neuen Ruhr/Neuen Rhein-Zeitung“ (NRZ) wechseln, um dort im Laufe dieses Jahres Chefredakteur zu werden. Vielleicht kommt er auch schon früher.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Mit dieser Besetzung setzt die Geschäftsführung der WAZ ihre Personalpolitik fort, welche die eingefahrenen Linien der WAZ-Zeitungen schon seit einiger Zeit konterkariert, spätestens seit der eher konservativ-liberal gesinnte Ulrich Reitz im Juli 2005 die Chefredaktion der einst sozialdemokratisch gefärbten WAZ übernommen hat. Rüdiger Oppers wird bei der NRZ zunächst als stellvertretender Chefredakteur arbeiten, um den amtierenden Chefredakteur Richard Kiessler in absehbarer Zeit dann zu beerben. Kiessler ist seit 1994 Chefredakteur, er wird außenpolitischer Sonderkorrespondent für die gesamte WAZ-Gruppe.

          Landespolitik und klassische Musik

          Der WDR-Sprecher Oppers hatte seine journalistische Karriere 1978 als freier Mitarbeiter der NRZ begonnen. Fünf Jahre lang arbeitete der heute Sechsundvierzigjährige für das Blatt, dann ging er zum WDR, wo er Reporter im Radio und Fernsehen, Chef vom Dienst und Moderator der „Aktuellen Stunde“ sowie Leiter des Landesstudios Köln war, bevor er die Kommunikationsabteilung des Senders übernahm. Als Journalist und Autor beschäftigte sich Oppers für den WDR vornehmlich mit der Landespolitik und - aufgrund persönlicher Neigung - mit klassischer Musik. Im Sender war er zuletzt für verschiedene Positionen im Gespräch, als Korrespondent ebenso wie als möglicher Geschäftsführer des Parlamentskanals Phoenix.

          Für wegweisend hält man bei der WAZ das Journalistenbüro in Brüssel, das sein Quartier am Square Ambiorix bezieht und Mitte Februar mit der Arbeit beginnen soll. Es wird beschickt von zur WAZ-Gruppe zählenden Zeitungen aus zwölf verschiedenen Ländern. Die Korrespondenten sollen sich als Emissäre ihrer Blätter, zugleich aber als WAZ-Vertreter empfinden und gemeinsam arbeiten. Sie stehen für ihre Blätter, berichten aber zugleich als jeweils für ein Fachgebiet zuständige Redakteure für die ganze Gruppe.

          Integrierte Recherche, differenzierte Darstellung

          „Der Typus des journalistischen Einzelkämpfers ist mit dem Konzept unverträglich“, beschreibt Knut Pries, der Leiter des neuen WAZ-Zentralbüros in Brüssel, sein Konzept. Es gelte das Prinzip „integrierte Recherche, differenzierte Darstellung“. Bei der Informationsbeschaffung und der „gesamten journalistischen Tatbestandsermittlung“ müsse das Vorgehen abgesprochen, „müssen die Ergebnisse gepoolt werden“.

          So will die WAZ-Gruppe in ihren Zeitungen erklärtermaßen Brüssel mit der Europäischen Union und der Nato als den Entscheidungsort europäischer Politik ins Zentrum rücken. Die vielbeklagte Bürgerferne der EU sei vielleicht das Kernproblem des Brüsseler Journalismus, meint der neue WAZ-Bürochef Pries, der seit langem in Brüssel arbeitet, zuletzt als Wirtschaftskorrespondent der „Frankfurter Rundschau“, zuvor als Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP. Das Brüsseler WAZ-Büro bekommt sogar eine Art Aufsichtsrat. In dem Gremium sitzen die Geschäftsführer der WAZ-Gruppe und die Geschäftsführer oder Chefredakteure der beteiligten Zeitungen. Den Vorsitz führt Ulrich Reitz, der Chefredakteur der WAZ.

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