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Watchever hört auf : Zurück nach Frankreich

Half alles nix: Trotz Til Schweiger plus Tochter Emma konnte Watchever seine Marktanteile nicht vergrößern. Bild: WATCHEVER GmbH

Der französische Streamingdienst Watchever gibt sich geschlagen, zu übermächtig ist die Konkurrenz von Amazon und Netflix. Der Anbieter hat nie den Sprung aus der Nische heraus geschafft.

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          Fernsehserien und Filme per Abruf unbegrenzt im Monatsabo – das kommt bei den Kunden gut an, führt bei den Anbietern aber zur Auslese. Der französische Medienkonzern Vivendi wird seine Tochtergesellschaft Watchever in Berlin bis zum Jahresende schließen. Betroffen sind zwar nur weniger als zwanzig Mitarbeiter, doch der Schritt hat große Signalwirkung. Der deutsche Markt für Streaming-Angebote ist heiß umkämpft, gerade weil Amazon mit seinem preisgünstigen Prime-Service erhebliche Marktanteile gewinnt. Der amerikanische Anbieter Netflix, der britische Bezahlsender Sky mit seinen On-demand-Angeboten sowie der deutsche Platzhirsch Maxdome von der Gruppe Pro Sieben Sat.1 stemmen sich dagegen, liegen aber deutlich abgeschlagen hinter dem Versandhändler. Watchever konnte erst recht nicht mehr mithalten. „Die wettbewerbliche Lage in Deutschland ist einer der wichtigsten Gründe für die Schließung“, hieß es in Paris.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          In Deutschland müssen sich Streaming-Dienste auch gegen ein breit aufgestelltes frei verfügbares öffentlich-rechtliches und privates Fernsehen behaupten. Gerüchte um ein Ende des 2013 gegründeten Dienstes Watchever kursierten schon länger. Vivendi suchte vergeblich einen Käufer und hat mehrfach einen Neustart, nicht zuletzt durch Kosteneinschnitte, probiert. Mitte 2014 verließen die Leiter und Mitgründer Stefan Schulz und Sabine Anger das Unternehmen und wurden von dem Vivendi-Manager Karim Ayari ersetzt. Ende September 2015 gab Watchever einen neuen Programm- und Internetauftritt bekannt. Inhalte von 25 Sendern sollten in Zusammenarbeit mit dem ZDF, CBS, BBC und Disney angeboten werden. All das half nichts, die Marktanteile blieben klein, die Verluste stiegen.

          Nur drei Prozent, trotz Til Schweiger

          Amazon machte sich unterdessen immer breiter. Im April war der amerikanische Konzern mit einem Anteil von 32 Prozent Marktführer unter den deutschen Benutzern bezahlter Video-Abrufe im Internet. Danach folgten Netflix mit siebzehn Prozent, Sky mit zwölf Prozent und Maxdome mit elf Prozent. Watchever kam nur auf drei Prozent. Nach einer teuren Werbekampagne mit Til Schweiger soll das Unternehmen schon 2013 Verluste von 66 Millionen Euro erlitten haben.

          Amazon bietet mit seinem Prime-Abonnement nicht nur Zugang zu seinem Film-, Serien- und Musikkatalog, sondern auch verbesserte Versandbedingungen für seine Waren. Maxdome hat gegen die Koppelgeschäfte geklagt, doch der juristische Weg ist steinig. „Maxdome war jahrelang Marktführer, hat es aber versäumt, eine Internationalisierungsstrategie aufzubauen“, meint Goldmedia-Geschäftsführer Klaus Goldhammer. Heute beherrschen die Großen das Geschäft. Sky profitiert von seiner Abonnenten-Basis und Netflix von einem guten Marketingauftritt – bleibt allerdings hinter den Erwartungen zurück. „Die Größenvorteile sind ganz wichtig. Das gilt etwa für Verhandlungen mit den großen Studios und auch für Eigenproduktionen.“

          Anders als die Watchever-Beschäftigten in Berlin sollen die Mitarbeiter in Paris und Marseille bei Vivendi bleiben. Die Technologie will der französische Konzern für seine Musikdienste und für den Videodienst Studioplus einsetzen. Studioplus bietet Serien von zehn Minuten Dauer an, die vor allem für Reisende gedacht sind. Zudem hält Vivendi an seinem Videodienst in Frankreich, Canalplay, fest. Der Konzern muss jetzt entscheiden, auf welche Marken er setzt. Erst im April gab er bekannt, mit dem Sender Mediaset von Silvio Berlusconi einen Pay-TV-Anbieter zu schaffen. Wie Netflix will man dort auch eigene Serien produzieren. Doch noch fehlten die wettbewerbsrechtlichen Genehmigungen, berichtet Vivendi.

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