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Samuel Pepys als Lebensberater : Wasser im Wein

  • -Aktualisiert am

Vertraute nicht nur seinen Tagebüchern so einiges an: Samuel Pepys Bild: picture-alliance

Wie soll man sich verhalten als normaler Mensch in einer normalen Welt, in der Versuchungen nur den Glücklichen ins Unglück stürzen können? In den Tagebüchern von Samuel Pepys ist einiges zu dieser Frage zu finden.

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          Sein oder Nichtsein, das ist die Frage, die sich Politikerinnen und Politiker nun im aktuellen Wahlkampf stellen werden. Sie sollten Hamlets Monolog lesen oder auswendig lernen, ein bisschen Bildung kann nicht schaden. Samuel Pepys zum Beispiel, Sekretär im Londoner Flottenamt, leidenschaftlicher Leser und Theatergänger (natürlich konnte er Hamlets Monolog auswendig vortragen), hat uns in seinen Tagebüchern hinterlassen, wie man auf vergnüglichste Weise Politik, Literatur, Frauen, Lust und Geld in harmonischen Einklang bringt. Samuel Pepys (1633 bis 1703) führte neun Jahre lang, von 1660 bis 1669, ein privates, geheimes Tagebuch. In diesen Aufzeichnungen erfährt man nicht nur viel über seine eigenen Befindlichkeiten, sondern auch über die politischen, sozialen, alltäglichen Vorkommnisse im London des 17. Jahrhunderts.

          Zum Beispiel über die Pest, die in Amsterdam ihren Anfang nahm und dann London lähmte, über Hochwasser und Starkregen („der höchste Wasserstand seit Menschengedenken“), über den großen Brand in London, über Krieg und Frieden, über das Lotterleben und die Verschwendungssucht des englischen Königs. Charles II. enttäuschte ihn zudem, weil es ihm nicht gelang, dem Starkregen und damit der Überflutung Einhalt zu gebieten. Und auch die Stürme, die Todesopfer gefordert und allein im Forest of Dean 1000 Eichen und Buchen gefällt hatten, konnte er nicht bändigen. Der König interessierte sich eben nur für seine Vergnügungen. Samuel Pepys war ein sparsamer Mann, der genau Buch führte über seine Einkünfte, die sich rasch vermehrten. Immer wieder klimperten Goldstücke in Briefumschlägen, die auf seinem Schreibtisch landeten.

          Na ja, schließlich konnte er immer wieder für den einen oder anderen etwas Gutes, Nützliches tun, und das wurde selbstverständlich geschätzt und honoriert. Samuel Pepys war durch und durch korrupt, aber sicher nicht korrupter als all die anderen am Hof und in der Regierung. Doch ganz bestimmt war er der liebenswerteste Beamte, der in dieser Zeit in England lebte. Mit erstaunlicher Ehrlichkeit notierte er alle seine Eitelkeiten und Laster. Natürlich auch seine jeweils gescheiterten Versuche, ein besserer Mensch zu werden. Wie oft hat er Gelübde abgelegt: weniger Wein zu trinken, nicht mehr ins Theater zu gehen, nicht mehr seine Frau zu betrügen. Doch immer wieder waren die Versuchungen zu groß, es mit den willigen oder unwilligen Damen zu treiben oder an Dienstmädchen herumzufummeln, Geld für Bücher auszugeben, ins Theater zu gehen, ein gutes Glas Wein zu trinken. Wir finden sehr viel Vertrautes in Pepys’ Aufzeichnungen. Er war eben ein ganz normaler Mensch in einer ganz normalen Welt. Wie wir.

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