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Aufruhr anstacheln : Wie ein Internettroll Amerikas Rechte vorführte

  • -Aktualisiert am

Bewaffnete „Zivilisten“: Mitglieder einer rechten Miliz patrouillieren am Independence Day vor dem Gettysburg National Cemetery. Bild: AP

Zum amerikanischen Nationalfeiertag zogen in Gettysburg rechte Gruppen auf. Die Antifa, dachten sie, wolle einen Soldatenfriedhof schänden. Doch hatte die Rechten jemand in die Irre geführt. Eine Zeitung stellte fest, wer.

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          Es herrschte einige Aufregung in Gettysburg am Independence Day, dem Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten am 4. Juli: In den sozialen Netzwerken hatte zuvor die Nachricht kursiert, Antifa-Mitglieder planten, einen Soldatenfriedhof zu schänden und Flaggen zu verbrennen. „Antifa präsentiert“, hieß es Mitte Juni auf einer Facebook-Seite namens „Left Behind USA“: „Flaggenverbrennung am 4. Juli – friedlicher Protest für die landesweite Abschaffung der Polizei. Keine Biker, Bürgerwehren oder andere sogenannte Patrioten.“ Zahlreiche Biker, Bürgerwehren und Mitglieder des Ku-Klux-Klan sahen das als einen Ruf zu den Waffen: Zu Hunderten machten sie sich auf nach Gettysburg, wo 1863 eine entscheidende Schlacht des amerikanischen Bürgerkriegs gefochten wurde, um notfalls mit Waffengewalt Denkmäler, Gräber und Fahnen zu schützen. Aber es waren keine Antifa-Demonstranten zugegen. Niemand beschmierte Monumente, niemand verschenkte „kleine Flaggen an Kinder, die sie sicher ins Feuer werfen können“, wie auf der Facebook-Seite angekündigt worden war. Das Ganze war eine Ente – inszeniert von einem Enddreißiger namens Adam Rahuba, wie jetzt die „Washington Post“ enthüllte.

          Neu ist so etwas nicht. In den vergangenen Wochen versammelten sich immer wieder bewaffnete Rechtsradikale in amerikanischen Kleinstädten in Idaho, South Dakota, Michigan und New Jersey, nachdem in den sozialen Netzwerken die Rede von geplanten Antifa-Protesten war – Falschmeldungen, wie sich zeigte. Viele, darunter die „Washington Post“, rätselten darüber, „ob es hier um eine politische Agenda geht oder darum, Aufregung zu stiften, oder um irgendein anderes Ziel“.

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