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Putins Kriegserklärung : Nicht nur Russland hat eine Reserve

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Ein Foto des ukrainischen Generalstabs zeigt zwei Mitglieder der ukrainischen Streitkräfte beim Abfeuern von Artilleriegeschossen an einem unbekannten Ort. Bild: AFP

Mit der Mobilmachung zündet Putin eine neue Stufe des Krieges. Was bedeutet sie real, auf dem Schlachtfeld in der Ukraine? Ein Gastbeitrag.

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          Demonstrativ zum Beginn der 77. Vollversammlung der Vereinten Nationen hat Wladimir Putin die Teilmobilmachung seines Landes verkündet. Der Kriegsherr, der bislang von einer „Spezialoperation“ sprach, gibt sich als solcher zu erkennen. Zunächst 300.000 Reservisten werden eingezogen, um die dezimierten Reihen der Invasionsarmee zu füllen. Zugleich sieht sich der Westen mit der Drohung eines Atomschlags konfrontiert. Diese Karte ziehen Putin und seine Getreuen im Propagandafernsehen ganz selbstverständlich. Davon sollten wir uns nicht beeindrucken lassen. In den Wochen vor dem 24. Februar war es dieselbe unverhandelbare Rhetorik Putins, mit der er den Westen hinhielt und die Ukraine mit Krieg überzog.

          Gleichen wir die Propaganda mit den Fakten ab: 300.000 zusätzliche russische Soldaten für den Ukrainekrieg sind eine erhebliche Verstärkung der Invasionsarmee. Diese hatte die Ukraine ursprünglich mit etwa 200.000 Soldaten angegriffen. Die Frage ist, ob die russische Reservisten sukzessive die Verluste ausgleichen oder zusätzliche Großverbände bilden, wie zuletzt das hastig aufgestellte 3. Armeekorps. Sollte das gelingen, wäre die zurzeit erfolgreiche Strategie der Ukraine herausgefordert. Die ukrainische Armee ist mit kleinen Gefechtsverbänden vorgerückt, die in flexibler Kampfweise lokal die Initiative gewinnen und die schwerfällige russische Kampfführung aushebeln konnten.

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