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Sportsender in der Coronakrise : Der Ball rollt nicht, aber der Rubel?

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Traurige Kulisse, aber richtig so: Der Zuschauerausschluss in der Bundesliga ist zwingend. Bild: Picture-Alliance

Was zeigen Sportsender, wenn es keinen Live-Sport mehr gibt? Der Abokanal Sky und der Streamingdienst DAZN müssen sich etwas einfallen lassen. Bekommen Kunden eigentlich ihr Geld zurück, wenn nichts läuft?

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          Die Coronakrise stellt die Sportsender vor ein Problem. Was senden, wenn fast kein Live-Sport stattfindet? Am Samstag um Punkt 15.30 Uhr griff der Abosender Sky zur Konserve. Auf Bundesliga 1 HD, wo zu dieser Zeit sonst etwa anderthalb Millionen Zuschauer in der Konferenz die Fußball-Bundesliga verfolgen, lief das Nachholspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln - eine Wiederholung des „Geisterspiels“ vom vergangenen Mittwoch. Viel trister hätte das Ersatzprogramm für den fehlenden Live-Sport kaum sein können.

          Das Coronavirus stellt auch die Fernsehsender vor große Probleme. In nahezu allen Sportarten steht der Spielbetrieb aufgrund der Krise still. Was also senden, wenn fast kein Live-Sport stattfindet? Und dürfen Kunden angesichts der ungewöhnlichen Umstände auf Entschädigungen hoffen? Bei letzterer Frage setzt Sky, das pro Spielzeit die mit Abstand meisten Bundesliga-Partien überträgt, auf Zeit. „Es ist eine sehr dynamische Situation, und wir arbeiten eng mit unseren dem Vertragspartnern zusammen, um die Auswirkungen zu verstehen. Bis dahin können wir nicht sagen, was für unsere Kunden angemessen sein wird“, teilte der Münchner Sender auf Anfrage mit.

          Einer ähnlichen Herausforderung sieht sich DAZN ausgesetzt, das neben viel US-Sport unter anderem auch vierzig Bundesliga-Partien pro Saison im Programm hat. Mögliche Informationen für Entschädigungen gibt es noch nicht. Der Streamingdienst bietet aber ohnehin den Service an, das Abonnement für bis zu vier Monate zu pausieren.

          Auf Nachfrage eines Nutzers auf Twitter, ob auch das Jahresabo auf Eis gelegt werden könnte, antwortete DAZN: „Aktuell gibt es hierzu keine neuen News. Die Lage ändert sich ständig und wird von uns täglich neu bewertet.“ Die Deutsche Telekom hatte bereits am Freitag mitgeteilt, seinen Kunden wegen des Wegfalls seiner Live-Übertragungen zunächst für einen Monat die Abo-Kosten zu erstatten. Auf Magenta Sport sind sonst eigentlich unter anderem die Deutsche Eishockey Liga (DEL), die Basketball Bundesliga (BBL) sowie die 3. Fußball-Liga zu sehen.

          Sky verwies darauf, dass viele Veranstaltungen nur verschoben, aber nicht abgesagt wurden, „sodass wir erwarten, diese, wenn sie neu terminiert worden sind, zeigen zu können“, sagte Jacques Raynaud, leitender Vize-Präsident Sports/Sky Media. „Daher wird unser Live-Zeitplan wahrscheinlich für eine gewisse Zeit anders aussehen.“ Anders bedeutet in erster Linie alt und nicht live. Am Samstag hatte Sky gar keinen Live-Sport im Programm, sondern zeigte Wiederholungen und Zusammenfassungen. Die „Sportschau“ am Samstagabend stauchte die ARD kurzerhand auf 25 Minuten zusammen - am Sonntag (17.30 Uhr) wird die „Sportschau“-Sondersendung mit dem Titel: „Corona - Der Sport ist infiziert. Ein Sommer ohne EURO und Olympia?“ ausgestrahlt. Das Aktuelle Sportstudio sollte im ZDF wie geplant am späten Samstagabend stattfinden. Auf Eurosport konnten Zuschauer Live-Snooker und die letzte Etappe der Fernfahrt Paris-Nizza verfolgen.

          DAZN nahm für Samstag und Sonntag kurzerhand die PDC Darts Championship in sein Programm auf. Das restliche Live-Angebot der Plattform war aber überschaubar: So lief das Duell der ersten australischen Liga zwischen Melbourne City und den Western Sydney Wanderers, zudem waren für den Abend und die Nacht Übertragungen der Rallye Mexiko sowie der Ultimate Fighting Championship im Mixed-Martial-Arts geplant.

          Anders als Sky kann beispielsweise DAZN auf seiner Plattform Inhalte auf Abruf zur Verfügung stellen. Am Samstag waren unter anderem eigene Doku-Produktionen wie auch die Höhepunkte vergangener Champions-League-Finals prominent platziert. Sky geht auch andere Wege und arbeite mit „Sportverbänden zusammen, um neue Formen von Inhalten zu finden“, teilte der Sender mit.

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