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Medienjahr 2018 : Ein paar fromme Wünsche an den Rundfunk

Bitte recht bedrohlich: Das Ensemble von „4 Blocks“ macht etwas her. Bild: Turner Broadcasting

2018 wird es in der Medienpolitik spannend. Es geht um die Zukunft von ARD und ZDF. Der neue ARD-Chef Ulrich Wilhelm fordert schon die Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Doch für welches Programm eigentlich?

           2017 ist das Jahr, in dem die Streamingdienste und Bezahlsender ernst gemacht haben. Sie haben investiert wie noch nie und Serien sonder Zahl aufgelegt. Wer innovatives oder „radikales“ Fernsehen sucht, von dem beim öffentlichen-rechtlichen Rundfunk gern die Rede ist, findet es bei den großen Sendern am wenigsten. Und wenn, dann im Verein mit der neuen Konkurrenz. So läuft die Fortsetzung der Serie „Deutschland 83“ zwar auch bei RTL, doch ohne Amazon gäbe es „Deutschland 86“, das gerade in Südafrika gedreht wurde, gar nicht. Und ohne Sky und die Vertriebsfirma Beta Film hätte die ARD „Babylon Berlin“ nicht aufgelegt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Serie von Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten kann sich international sehen lassen wie kaum eine andere made in Germany. Auf dieses Markenzeichen setzt inzwischen auch Netflix mit der Serie „Dark“, die nicht unbedingt herausragt, aber gut ins Portfolio des Streamingdienstes passt, der von sich behauptet, weltweit 109 Millionen Abonnenten zu haben. Diese versorgt er mit Serien in Serie, sodass manche schon von Übersättigung sprechen. Das mag angesichts der schieren Masse denkbar sein, doch bringt diese eine Vielfalt mit sich, die man bei den Sendern, die sich dem Diktat der Einschaltquote beugen, schmerzlich vermisst.

          Wo läuft „4 Blocks“? Beim Bezahlsender TNT Serie. Wo findet sich „Stranger Things“? Bei Netflix. Oder die kleine, feine Serie „Culpa – Niemand ist ohne Schuld“? Beim Minisender 13th Street. Der Abschluss von David Lynchs Geniestreich „Twin Peaks“? Bei Sky. Und „Legion“ – eine Serie, die mit allen Sehgewohnheiten bricht? Bei Fox. So geht es weiter und fort bis zu den Nennungen des Deutschen Fernsehpreises, für den „Babylon Berlin“ und „4 Blocks“ insgesamt vierzehnmal nominiert sind. Ob das den privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern jenseits ihrer Marktanteilszufriedenheit nicht zu denken gibt? Die Argumente für ein jüngeres Publikum, Free TV einzuschalten beziehungsweise Rundfunkbeitrag zu zahlen, gehen jedenfalls aus.

          Für die großen Sender führt kein Weg dorthin: Das Ortsschild von „Twin Peaks“, von dem die legendäre Serie von David Lynch handelt.

          Am Geld kann das Einerlei am wenigsten liegen, auch wenn das der neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm behauptet. Wenn der Rundfunkbeitrag nicht erhöht wird, sagt der Intendant des Bayerischen Rundfunks, fehlten „kurzfristig drei Milliarden Euro“, die man hauptsächlich im Programm einsparen müsse. Wie sich das bei jährlichen Beitragseinnahmen von rund acht Milliarden Euro rechnet, sagt der ARD-Chef auch: „Jenseits des Programms, also bei Technik und Verwaltung, zu sparen ist weitgehend ausgereizt, denn das tun wir seit Jahren.“

          Das nennen wir eine Ansage. Oder besser: Wir nennen es einen Offenbarungseid, mit dem der neue ARD-Chef seine Amtszeit beginnt, wenn er Einsparungen im Apparat für unmöglich erklärt. Außerhalb der Anstalten mit ihren mehr als 25 000 Festangestellten und geschätzt noch einmal so vielen freien Mitarbeitern plus Intendanten, deren Gehälter das der Bundeskanzlerin zum Teil deutlich überschreiten, mit 66 Radio- und 21 Fernsehprogrammen, wird kaum jemand nachvollziehen können, dass der Rundfunkbeitrag unbedingt steigen muss, weil das Ende aller Sparmöglichkeiten erreicht sei.

          Das sieht inzwischen auch ein großer Teil der Medienpolitiker in den Bundesländern anders, und zwar parteiübergreifend, was bei ARD und ZDF für die Nervosität sorgt, die sich in den Worten von Ulrich Wilhelm ausdrückt. Zu Zeiten, in denen es in der Medienpolitik A- und B-Länder gab, also nur solche mit SPD- oder unionsgeführter Regierung, war die Lage für die Öffentlich-Rechtlichen überschaubar und damit zu rechnen, dass die Politik ihnen in Sachen Geld, gemäß der Empfehlung der Finanzkommission Kef, keinen Ärger machen und den Ärger der Beitragszahler aussitzen würde. Heute kommt Kritik an diesem Gebaren von vielen Seiten, etwa vom thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von der Linkspartei.

          Der Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR), Ulrich Wilhelm, lenkt nun im jahrelangen Streit um eine UKW-Frequenz für die digitale Jugendwelle Puls ein.

          2018 wird sich entscheiden, was daraus folgt und ob die Arbeitsgruppe der Bundesländer, die sich mit der Struktur und dem Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio befasst, wirklich grundsätzliche Überlegungen anstellt. Solche sind zudem vom Bundesverfassungsgericht zu erwarten, das sich mit dem Rundfunkbeitrag befasst. Die ARD hat sich derweil mit den Presseverlagen im Streit um ihre textlastigen Online-Auftritte verkämpft, der die Schlagzeilen in diesem Jahr beherrscht hat.

          Mehr Vielfalt fordert der neue ARD-Chef Wilhelm indes in der Politikberichterstattung. Die Talkshows seien zu dominant. Da kann man nur fragen: Wer hindert die Sender daran, aus der Filterblase auszubrechen? Dann würde uns vielleicht auch ein so beschämendes Ereignis erspart, wie es sich WDR und Arte in diesem Jahr im Umgang mit dem Film „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ geleistet haben. Und fast hätten verschiedene ARD-Radios sich auch noch als Konzertmitveranstalter des Israel-Boykotteurs Roger Waters betätigt. Für 2018 bleiben in Sachen Vielfalt viele Wünsche offen.

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