https://www.faz.net/-gqz-7xv6w

Googles Siegeszug : Eine Plattform für alles

Der Konzern, dem die Datenzukunft zu gehören scheint: das Google Data Center im belgischen Saint Ghislain Bild: AP

Wieso ist Google so mächtig? Der Suchmaschinenexperte Marcus Tandler erklärt uns den Siegeszug des Konzerns und warum dessen Vorsprung mittlerweile für alle Konkurrenten uneinholbar ist.

          6 Min.

          „Wie groß Mozart war, ist ja immer noch relativ easy zu extracten.“ Dieser Satz fällt nach ungefähr einer Stunde, in einem Gespräch, in dem es eigentlich um Google geht, und man muss ihn nicht nur zitieren, weil er so verquer und witzig ist, sondern auch, weil er das Wesen des 37 Jahre alten Suchmaschinenexperten Marcus Tandler beschreibt.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Da ist zum einen seine Sprache. Es wird „geditcht“, „substituted“ oder „compiled“; Dinge „matchen“ nicht mit anderen, sind „unperformant“ oder eine „Riesen-Discovery“. Das ist keine Attitüde, sondern Ergebnis eines Lebens im Flugzeug zwischen München und Kalifornien. Man kann Tandler dabei beobachten, wie er, während er spricht, den Blick nach innen richtet, auf der Suche nach einem passenden deutschen Begriff, als begebe er sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit – und wie er dann doch lieber auf Denglisch weitermacht. Und da ist zum anderen eine Grundskepsis gegenüber den technologischen Heilsversprechen des Silicon Valley, das Residuum einer humanistischen Bildung, das gar nicht so recht zum sonstigen Marcus Tandler passen will. Deswegen: „Mozart“.

          Komplexe Bastelarbeit

          Tandler ist ein Nerd, wie man ihn sich nicht besser denken kann. Schon 1998, als der Markt für Suchmaschinen noch von Namen wie „Altavista“ oder „Fireball“ beherrscht wurde, veranstaltete Tandler Seminare zur Suchmaschinenoptimierung. Seit 2010 arbeitet er mit dem ehemaligen Google-Manager Niels Dörje zusammen. Tandlers Unternehmen „Onpage.org“, in das Dörje einstieg, gewann in diesem Sommer den „Top 100 Innovator Award“, überreicht von Ranga Yogeshwar. Tandler und seine Partner sind so etwas wie die Speerspitze der noch ziemlich stumpfen digitalen Wirtschaft in Deutschland.

          Trotz seiner internationalen Karriere ist Tandler aber immer ein Bayer geblieben, ausgestattet mit Lederhosen und der Gewissheit, der Nabel der Welt befinde sich in München. Wenn man also ins Herz von Silicon Valley gelangen will, muss man in die bayerische Landeshauptstadt reisen und sich mit diesem Mann unterhalten. Tandler kennt sich nicht nur bestens mit Suchmaschinen aus, er spricht als einer von Wenigen auch offen über sie.

          „Onpage.org“ hat seinen Sitz in einem denkmalgeschützten Bau der Münchner Innenstadt, der ehemals ein Handelskontor war, dann Mitarbeiter von „Gucci“ beherbergte und jetzt eine Bande junger Computerprogrammierer. Hinter Tandlers Platz blickt ein überlebensgroßer Superman von der Wand, die Farben seines Umhangs: Blau-Weiß. Tandlers Arbeit besteht darin, anderen zu zeigen, wie sie ihre Websites unter anderem in der Google-Suche so weit wie möglich nach oben bringen können. Und weil er von dieser komplexen Bastelarbeit etwas versteht, kann Tandler auch zeigen, wie Google Websites in die Bedeutungslosigkeit fallen lässt.

          Herr über den Sichtbarkeitsindex

          Dafür hat er ein einfaches Beispiel: Angenommen, ein Vater suchte für seine Tochter ein Pinguinkostüm. Hätte er das vor wenigen Jahren bei Google eingegeben, wäre er auf virtuellen Einkaufszentren wie „Yatego“ oder „ciao“ gelandet. Mittlerweile zeigt Google selbst eine Auswahl an Kostümen an, mit Bild, Preis und Bestellknopf. Preisvergleichsseiten wie Yatego sind aber nicht deshalb verschwunden, weil sie in fairem Wettbewerb zurückgedrängt worden wären und den Vätern der Welt irgendwann klar geworden wäre, dass es die besten Pinguinkostüme nun mal bei Google gibt. Der Grund ist ein anderer.

          Weitere Themen

          „Parasite“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Parasite“

          „Parasite“, 2019. Regie: Joon-ho Bong. Darsteller: Kang-Ho Song, Woo-sik Choi, Park So-Dam. Kinostart: 17. Oktober 2019

          Topmeldungen

          Trump beleidigt Pelosi : „Sie ist sehr krank“

          Die Demokraten haben ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten abgebrochen, weil Donald Trump die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi beleidigt haben soll. Der Präsident legte auf Twitter noch nach.
          Sandra Maischberger

          TV-Kritik „Maischberger“ : Durcheinander als Unterhaltung

          Nun wird Sandra Maischberger künftig mehrere Themen einer Woche aufgreifen und in wechselnder Besetzung erörtern. Auch der neue Anlauf wirkt nicht überzeugend. Das gilt für das Arrangement ebenso wie für die Details.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.