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Fernsehfilme über Lady Diana : Die Geschichte von der Königin der Herzen

Prinzessin Diana im November 1985 bei einem Tanz im Weißen Haus – mit dem Schauspieler John Travolta. Bild: Picture-Alliance

Vor zwanzig Jahren kam Lady Diana, Prinzessin von Wales, bei einem Unfall ums Leben. Der Rückblick auf ihr Leben, den die Sender jetzt aufbieten, macht staunen, welches Bild sich von ihr verfestigt hat.

          Als es noch kein Internet, keine massenweise Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken, keine Empörungswellen, Hashtag-Trends online und kein Serien-Binge-Watching auf Abruf gab, war ihr Leben die Reality-Soap, die ein Milliardenpublikum in Atem hielt. Siebzehn Jahre verfolgte die Welt das Lebensdrama einer Frau, die 1980 als unscheinbare Kindergärtnerin Lady Diana Spencer die Bühne betrat und über ihren Unfalltod am 31. August 1997 hinaus einen gesellschaftlichen und medialen Superlativ nach dem anderen generierte.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es war die „Hochzeit des Jahrhunderts“ (schätzungsweise 750 Millionen Fernsehzuschauer weltweit, weitere Millionen am Radio und in den Straßen Londons), und die „Beerdigung des Jahrhunderts“ (2,5 Milliarden Fernsehzuschauer, zwei Millionen Menschen als Augenzeugen in Großbritanniens Hauptstadt). Diana stieg zur meistfotografierten Frau des Erdballs auf und zur gefährlichsten Kritikerin des Königshauses. Aus der Unschuld vom Lande war eine Medienpersönlichkeit geworden, die mit dem Arzt und Jugendfreund James Colthurst über ihre Bulimie, ihre Selbstmordversuche und ihre unglückliche Ehe sprach, was ihr Biograph Andrew Morton später ausbreiten durfte. Dem britischen Fernsehen gab sie ein Interview (22,8 Millionen Zuschauer), in dem sie bekannte, zu dritt sei es doch ein wenig eng gewesen in der Ehe mit Charles.

          „Traumhochzeit des Jahrhunderts“? Lady Diana und Prinz Charles am 29. Juli 1981 auf dem Weg zum Traualtar.

          Princess of Wales und Prinzessin des Volkes, zweifache Mutter, Königliche Hoheit auf Zeit, Modeikone, Celebrity, die Aids-Kranke oder Obdachlose besuchte und auf die Gefahr von Landminen aufmerksam machte, Opfer der Yellow Press und Inszenatorin ihrer selbst, Frau an der Seite Dodi Al Fayeds, Königin der Herzen, die bei ihren Auftritten viele Menschen berührte, England’s Rose – ein bisschen viel Wirbel um ein Mädchen, soll Lady Di gesagt haben, als sie vor dem Jawort im Fernsehen die Menge der Schaulustigen sah. Dabei zeigte schon diese Geste, sich der eigenen Wirkung via Bildschirm zu versichern, was für ein machtvoller medialer Dopplereffekt hier einsetzen sollte. Das Erstaunlichste daran war, dass jede Schwäche, die Diana nach außen trug, ihr als Stärke ausgelegt wurde. Das Publikum wollte das Märchen von der leidenden Prinzessin hören, die sich deshalb mit dem Leiden aller anderen identifizieren kann.

          Man möchte meinen, all das relativiere sich rückblickend. Längst hat Camilla Charles geheiratet und sich aus der Rolle der Hexe im Märchen befreit; Dianas Söhne sind erwachsen, Kate ist keine neue Di und die Queen ist beliebt wie nie. Aber wer dieser Tage auf Zeitschriftenauslagen am Kiosk blickt, ins Sachbuchregal oder durch die Fernsehprogramme schaltet, wird das Gefühl nicht los, man solle zum zwanzigsten Todestag Dianas in einer Zeitblase aus den Neunzigern gefangen werden. „Für immer Königin der Herzen“, bewirbt das Klatschblatt „Neue Post“ sein Sonderheft und trifft damit den Ton. Nicht Nachdenken darüber, was damals eigentlich passiert ist, steht auf dem Programm, keine reflektierende Würdigung, sondern die Zementierung eines Denkmals.

          Das gilt überraschenderweise auch und besonders für jene Fernseh-Dokumentationen, die sich der Fortschreibung der Enthüllungen, die damals für Wirbel sorgten, widmen. Auf dem National-Geographic-Kanal bei Sky läuft „Diana: Die geheimen Interviews“ von Tom Jennings, ein zweistündiger Film, der nichts preisgibt, was noch geheim wäre, sondern in epischer Breite Diana ihr eigenes Leben erzählen lässt. Begleitet wird das von Bildern und Filmmaterial aus dem Archiv, alten Interviews und Fernsehmitschnitten.

          Den O-Ton der Prinzessin liefern Tonbandaufnahmen, die der Arzt 1991 in Gesprächen mit ihr aufgezeichnet hatte und die als Grundlage für Andrew Mortons Skandalbuch „Diana: Her True Story“ (das gerade in einer erweiterten Neuauflage erschienen ist) dienten. Der Film transportiert, ohne wertend einzugreifen, was schon die Tonbänder boten: die Darstellung der Princess of Wales in eigener Sache. Ein Film für Fans.

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