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ARD & Eurovision Song Contest : Was sind schon null Punkte?

Der Auftritt von Ann Sophie bildete den Höhepunkt der Einschaltquoten in Deutschland. Bild: AP

Der letzte Platz beim Eurovision Song Contest ist nicht nur für die Sängerin Ann Sophie eine Riesenenttäuschung. Er ist auch eine Pleite für die ARD, der die Zuschauer weglaufen. Wie geht es dort jetzt mit dem ESC weiter?

          365 Punkte weniger als der Schwede Mans Zelmerlöw hat die Sängerin Ann Sophie für Deutschland beim Eurovision Song Contest eingesammelt: Letzter Platz, null Punkte, desaströser geht es nicht. Das Ergebnis ist nicht nur für Ann Sophie niederschmetternd (und ungerecht), es muss auch der ARD zu denken geben, die den deutschen Vorentscheid des Wettbewerbs gestaltet und in den vergangenen Jahren nicht ohne Geschick dafür gesorgt hat, dass Deutschland bei diesem internationalen Musikereignis nicht völlig abgehängt wird. Jetzt aber ist buchstäblich die Null-Linie erreicht. Und viele Zuschauer hatte die ewig lange Livesendung am Samstag im ersten Programm auch nicht. Es waren gerade einmal 8,11 Millionen. Für einen „Tatort“ wäre das eine magere Quote.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In der Spitze, verbrämt der beim ESC für die ARD federführende NDR die Pleite, seien 9,59 Millionen Zuschauer dabei gewesen – natürlich, als Ann Sophie mit „Black Smoke“ an der Reihe war. Das Drama, in dem es lange Zeit so aussah, als werde das gefürchtete Moskau der nächste Übertragungsort sein, nahm erst danach seinen Lauf: zwölf Punkte hier, zwölf Punkte da, keine Punkte für Deutschland, nirgends. Immerhin sammelte die ARD bei der Gelegenheit auch einmal jüngere Zuschauer ein, was sonst meist nur mit Fußballübertragungen gelingt. Bei den Vierzehn- bis Neunundzwanzigjährigen habe der Marktanteil bei 45,4 Prozent gelegen, teilt der NDR mit. In absoluten Zahlen heißt das: 1,1 Millionen Zuschauer. Das Warm Up, das im Ersten unter dem Titel „Countdown für Wien“ mit Barbara Schöneberger als hochfrisierter Stimmungskanone lief, schalteten 4,45 Millionen Zuschauer ein.

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          Im vergangenen Jahr war es der ARD mit dem ESC noch etwas besser ergangen: 8,9 Millionen Zuschauer, in den beiden Jahren zuvor waren es 8,2 und 8,3 Millionen gewesen. Ein Allzeit-Hoch hatte Lena Meyer-Landrut der ARD beschert. Als sie den Wettbewerb in Oslo 2010 gewann, waren 14,7 Millionen Zuseher dabei. Beim Heimspiel im Jahr darauf in Düsseldorf waren es rund vierzehn Millionen.

          Auch das wehende Fähnchen half nicht: Ann Sophie beim Finale

          Die Sängerin Ann Sophie gibt sich angesichts der jetzigen Bilanz tapfer: „Es war wundervoll, auf der Bühne zu stehen, und hat super viel Spaß gemacht. Aber null Punkte sind halt null Punkte“, sagte sie. „Der Sieg sei dem Gewinner gegönnt. Ich sehe das alles weiter sehr positiv und werde natürlich weiter Musik machen, weil ich das liebe. Aber traurig bin ich auch.“

          „Null Punkte“, sagte der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber, seien „schon sehr enttäuschend.“ Doch gelte auch: „Der Auftritt von Ann Sophie war großartig.“ Man werde jetzt „genau überlegen, wie wir uns auf den ESC 2016 vorbereiten.“ Ein paar grundsätzliche Überlegungen könnten notwendig sein.

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