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Fernsehen im Wahlkampf : Noch irgendwelche Fragen?

Der Kandidat und die Moderatoren: Armin Laschet (M.), Andreas Cichowicz und Ellen Ehni Bild: dpa

Fallenstellen inklusive: Den Kanzlerkandidaten blüht in der Fernseharena einiges, ob in der „Wahlarena“ der ARD oder bei Pro Sieben. Aktivistinnen drehen auf, Kinder fragen und haben einen Knopf im Ohr.

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          Angesichts der Windungen und Wendungen, die der Bundestagswahlkampf genommen hat und nimmt, kommt man nicht umhin, die beachtliche Deutungsmacht des Fernsehens zu konstatieren. Analyse und Kommentierung in der Presse sind das eine, doch die Konzentration auf das Kandidatenkarussell ist ein Fernsehding. Drei Trielle und zahllose Einzelauftritte von Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz sorgen dafür, dass die anderen Parteien in den Hintergrund gerückt werden. Programmatische Auseinandersetzungen gibt es bei den Fragerunden auf dem Bildschirm nur ansatzweise. Da ist es nicht ohne Bedeutung, nach welchen Regeln, mit welchem Sinn und Zweck das politische Programm verfolgt wird, die „Wahlarena“ der ARD zum Beispiel oder die Sendung „Late Night Berlin“ bei Pro Sieben.

          Schützenhilfe von der „Interventionistischen Linken“

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In der „Wahlarena“ im Ersten war zuletzt Armin Laschet zu Gast. Er schlug sich nicht schlecht angesichts der vielfältigen, auch persönlichen Fragen, die an ihn gerichtet wurden, und war auch auf brachiale Attacken eingestellt. Diese kamen nicht von ungefähr. Drei Aktivistinnen, die ein Talkshowtraining der Agentur „Hart aber links“ durchlaufen haben, kamen zu Wort, darunter eine fünfzehn Jahre alte Schülerin, die sich als Anhängerin von „Fridays for Future“ vorstellte.

          Die Agentur „Hart aber links“ wird von Emily Laquer geführt, die der „Interventionistischen Linken“ angehört. Die Organisation wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet und als linksextremistisch eingestuft. Emily Laquer freute sich schon vor der Sendung auf die zu erwartende Konfrontation. Die von ihr betreute Schülerin tat auf Twitter kund, „dank des Trainings“ sei sie „ja jetzt super vorbereitet“, um Armin Laschet „fertig zu machen“.

          Ob ihr das gelungen ist, mag im Auge der Zuschauerinnen und Zuschauer liegen, im Sinne der ARD und des für die „Wahlarena“ zuständigen Norddeutschen Rundfunks dürfte das wohl kaum sein. Kanzlerkandidaten „fertig zu machen“ oder fertigmachen zu lassen, widerspricht dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der sich in kritischem, unparteiischem Journalismus üben soll, nicht in voreingenommenem Aktivismus, dessen Ziel es von vorneherein ist, seine Botschaft durchzudrücken.

          Spenden für das Talkshowtraining

          Bei Twitter kann man nachlesen, wie Emily Laquer ihr Süppchen kocht. Kritiker ihres Verhaltens, hinter dem ein politisches Geschäftsmodell steckt, das sie auch bewirbt (sie bittet um Spenden für das „nächste Talkshowtraining von Aktivist:innen“), werden als „rechte Rolle“ oder „Nazis“ verortet. Die „linke“ Twitterblase hat darin ihre helle Freude und misst sich in Pöbeleien mit der „rechten“. Erkenntnisgewinn vermittelt das nicht.

          Doch wie hält es die ARD mit den Bürgerinnen und Bürgern, die in der „Wahlarena“ vortreten? Der zuständige Norddeutsche Rundfunk teilt auf unsere Anfrage hin sehr ausweichend mit, NDR und WDR hätten Zuschauer in diversen Sendungen aufgerufen, sich für die „ARD-Wahlarena“ mit Fragen zu bewerben. Zusätzlich habe das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap Interessierte vorgeschlagen. Die Redaktion habe vorab ausführliche Gespräche mit allen Bewerbern geführt und zu ihrem persönlichem Hintergrund recherchiert. Sie seien dem BKA gemeldet worden, das keine Einwände hatte. Die Redaktion habe aus eingereichten Fragen „eine möglichst breite Themenpalette“ ausgewählt, „die möglichst unterschiedliche politische Strömungen und die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegeln“. Politisches Engagement und Parteimitgliedschaften seien keine Ausschlusskriterien, solange ein politisches Mandat die Ebene eines Kreisvorsitzes nicht überschreite.

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