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Fußball-Übertragungen : Expertenwissen

Klaffte zwischen diesen beiden Männern eine Pay Gap? Gerhard Delling (links) ist nur Journalist und daher womöglich günstiger zu haben als der Experte Netzer. Bild: dpa

Die Öffentlich-Rechtlichen sagen lieber nicht, was ihre Experten verdienen, der Branchendienst Kress will es dennoch erfahren haben. So manche alte Rivalität könnte dadurch erklärt werden.

          Jetzt glauben natürlich alle zu wissen, warum Delling immer so auf Netzer rumgeklopft hat in ihren seligen Doppelpasszeiten und Letzterer vor Selbstbewusstsein trotzdem nicht zu bremsen war: Weil die nichtjournalistische Hälfte des früheren Fußball-Moderatorengespanns – also der sogenannte Experte – in vier gemeinsamen Jahren vor der Kamera knapp anderthalb Millionen Euro mehr verdient haben soll als sein Sidekick. Von 2007 bis 2010 soll Günther Netzer für seine Expertenauftritte Honorare in Höhe von 3,85 Millionen Euro eingestrichen haben, der Journalist Gerhard Delling dagegen soll mit 2,36 Millionen nach Hause gegangen sein.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das jedenfalls stehe, berichtet der Branchendienst Kress, in einem vertraulichen Bericht des Landesrechnungshofs Rheinland-Pfalz. Der hatte die Wirtschaftsprüfung für den Südwestrundfunk vorgenommen und das Ergebnis im vergangenen Jahr veröffentlicht – allerdings unter Aussparung von als vertraulich eingestuften Details wie Honorarzahlungen an Fußballexperten. Von einem einstelligen Millionenbetrag war da nur die Rede. ARD-Quellen hätten den Bericht eingesehen und die genauen Zahlen durchgestochen, schreibt Kress.

          Ob sie stimmen, ob nicht? Den Spekulationen sind keine Grenzen gesetzt, die Sender schweigen oder sagen, es fließe bei weitem nicht so viel Geld. Die „Bild“-Zeitung will trotzdem wissen, dass der aktive Fußballexperte des Ersten, Mehmet Scholl, pro Jahr 1,6 Millionen Euro als Honorar verbuche, und was Oliver Kahn im Zweiten mitnimmt, steht in den Sternen. Dass die Sendeanstalten schon aus privatrechtlichen Gründen verpflichtet sind, Honorarvereinbarungen mit ihren freien Mitarbeitern für sich zu behalten, ist richtig. Dass ein durch Zwangsgebühren von Jedermann finanziertes System mit solchen Beträgen – sollten sie auch nur näherungsweise zutreffen – und der Intransparenz, die sie umgibt, trotzdem ein Problem hat, sieht zumindest der SWR-Justiziar Hermann Eicher ein. Zu sagen: Der Rundfunkbeitrag ist alternativlos, aber die Experten-Honorare verraten wir euch nicht, passe einfach nicht mehr in unsere Zeit, sagte er vor ein paar Wochen, als die Mutmaßungen über die Scholl-Abrechnungen ins Kraut schossen.

          Wie sich das ändern soll, wusste er allerdings auch nicht. Wie wäre es mit Obergrenzen für Experten-Honorare? Oder – ganz revolutionär – dem Verzicht auf verrentete Fußballer vor der Kamera? Der Ball läuft auch so rund für die Öffentlich-Rechtlichen. Der Rubel rollt allerdings auch, und deshalb wird vermutlich alles bleiben, wie es ist.

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