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Europäischer Kulturpreis : Auszeichnung für fanatische Israel-Gegnerin

  • -Aktualisiert am

Ahdaf Soueif auf einem Archivbild von 1999. Damals stand sie mit ihrem Buch „The Map of Love“ auf der Shortlist des Booker Prize. Bild: Picture-Alliance

Ahdaf Soueif hat sich in ihren Texten eindrücklich mit dem arabischen Geschlechterverhältnis beschäftigt. Doch als Aktivistin ist sie vor allem für ihre fanatische Israel-Gegnerschaft bekannt. Wofür hat sie nochmal einen europäischen Kulturpreis verdient?

          Die in Amsterdam ansässige European Cultural Foundation hat am 9. Mai die diesjährigen Preisträger ihres mit jeweils 25.000 Euro dotierten „ECF Princess Margriet Award“ für Kultur bekanntgegeben. Erste von zwei Preisträgerinnen ist die ägyptisch-britische Schriftstellerin Ahdaf Soueif, die ausdrücklich für ihren „Aktivismus“ ausgezeichnet werden soll. Ahdaf Soueif hat sich in ihren fiktionalen Texten unter anderem auf sehr eindrückliche Weise dem arabischen Geschlechterverhältnis gewidmet. Sie hat auch den kurzen demokratischen Frühling in Ägypten publizistisch begleitet. Als Aktivistin allerdings ist sie vor allem für eines bekannt: ihre fanatische Israel-Gegnerschaft.

          Dass Soueif von dem privaten, aber mit dem niederländischen Staat und Königshaus verbundenen ECF als „Vermittlerin“ zwischen Okzident und Orient gelobt wird, ohne ihren unversöhnlichen „Antizionismus“ auch nur zu erwähnen, ist schockierend. Dabei musste man am Tag der Preisverkündung nur auf Soueifs Twitter-Feed klicken (auf den die Preisgeber selbst verlinken), um einen Eindruck davon zu erhalten.

          Ägypten lebt seit 2013 unter einer repressiven Militärdiktatur, die wiederum einen Präsidenten der Muslimbruderschaft stürzte, der ein islamistisches Regime errichten wollte. Man sollte also denken, dass eine ägyptische Aktivistin für Demokratie nicht vornehmlich gegen Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten, wettern sollte. Ahdaf Soueif hatte schon ihre im „Guardian“ zur Jahrtausendwende veröffentlichten Reportagen über eine Reise in die besetzten Gebiete mit der überraschenden Behauptung eingeleitet, ihr Leben habe „wie das aller Ägypter“ ihrer Generation „unter dem Schatten Israels“ gestanden. Nicht unter dem des Diktators Mubarak, der zu diesem Zeitpunkt Ägypten seit zwei Jahrzehnten regierte. Nicht dem der Islamisten, die seinen Vorgänger Sadat umgebracht hatten. Nein, Israels.

          Juden in aller Welt stehen unter dem Druck eines alten Antisemitismus

          Ahdaf Soueif ist eine fanatische Gegnerin des einzigen jüdischen Staats der Welt. In ihren Beiträgen zum israelisch-palästinensischen Konflikt gibt sie ungeprüft Geschichten weiter, die zwischen antisemitischen Klischees und verschwörungstheoretischer Paranoia schillern; etwa, dass israelische Soldaten in die Wassertanks der Palästinenser urinieren würden – oder, dass Israel den Felsendom und die al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem abreißen wolle, um einen jüdischen Tempel zu errichten.

          Juden in aller Welt stehen unter dem Druck eines alten Antisemitismus, der sich gefährlich neu zuspitzt. Rechtsradikale, Islamisten und radikale, zunehmend auch nichtradikale Linke, sind sich in einem Gegner einig: den Juden, auch wenn sie sie manchmal Zionisten, Globalisten oder Israelis nennen. In der westlichen Linken wird Antisemitismus über den harten linken Rand hinaus unter dem Deckmantel des Antizionismus wieder salonfähig gemacht. Derweil nehmen alle Formen des Antisemitismus global derart zu, dass der Europäische Jüdische Kongress erst vor wenigen Tagen davor warnte, dass die „Zukunft des jüdischen Lebens in Europa“ in Frage stehe.

          Für eine Verbesserung des Lebens der Palästinenser hat die Bewegung BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) nichts erreicht. Dafür jedoch hat nichts so sehr zu einem Mainstreaming des Antisemitismus beigetragen wie diese Bewegung, deren Fürsprecherin Ahdaf Soueif ist. Ein auch nur annähernd vergleichbarer Einsatz von ihr und ihren Gleichgesinnten gegen die Kriegsverbrechen der Saudis im Jemen oder die des Assad-Regimes und seiner Verbündeten in Syrien, oder gegen die versuchte Ausradierung der muslimisch-uigurischen Kultur in China ist unbekannt.

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          In diesen Tagen, in denen in Europa an das Ende eines Krieges und der Ermordung von sechs Millionen europäischer Juden durch das NS-Regime gedacht wird, sollte man sich darüber Gedanken machen, wem man Preise verleiht. Auch darüber, wie man den Dialog mit der arabisch-muslimischen Welt aufbaut und wo man Grenzen zieht. Sollte angesichts der deutschen Verbrechen in der NS-Zeit, aber auch der gesamteuropäischen Geschichte des Antisemitismus, nicht eine unbedingte Verteidigung des jüdischen Rechts auf einen eigenen Staat eine Selbstverständlichkeit für liberal gesinnte Europäer sein? Welches Signal sendet eine europäische Kulturstiftung aus, wenn sie Ahdaf Soueif einen Preis verleiht, ohne ihre Israel-Aversion zu erwähnen? Wollen wir das als „europäische Anerkennung“ wirklich akzeptabel nennen?

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