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Kreml-Propaganda ungebremst : Putins Stimmen in der Schweiz

In der Schweiz verwechseln nicht alle Neutralität mit Stillhalten: auf einer Demonstration gegen Putins Angriffskrieg vor dem Parlament in Bern am 19. März Bild: EPA

In der Schweiz darf der russische Propagandasender RT weitermachen. Die Regierung setzt auf „Fakten gegen Fake News“. Und Roger Köppel spielt eine ganz besondere Rolle.

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          Auf die Schweiz, die Wahlheimat seiner Oligarchen, konnte sich Wladimir Putin immer verlassen. Hier war es nicht nötig, die Wahl eines Präsidenten mit Gerüchten, er sei schwul, zu stören und zu verhindern – wie es seine Medien Sputnik und RT vor fünf Jahren in Frankreich versuchten. Sie wurden auch nicht, wie anlässlich der Revolte der „Gelbwesten“ in Frankreich, zum Sprachrohr eines Aufstands, den sie systematisch anheizten. In der Schweiz zirkulierten die verrücktesten Verschwörungstheorien der Impfgegner ohne das Zutun der russischen Staatsmedien.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Selbst im monatelangen Streit um die großartige Impressionisten-Sammlung des Waffenfabrikanten Emil Bührle blieben RT und Sputnik stumm. Der Kollektion der russischen Brüder Morosow, die gerade in Paris gezeigt und deren Beschlagnahme zumindest diskutiert wird, steht sie in nichts nach. Moralisch ist Bührle eindeutig belastet. Denn er finanzierte seine Meisterwerksammlung mit dem Verkauf seiner Kanonen an die Nazis. Und er profitierte von erzwungenen Niedrigpreisen: Die jüdischen Verkäufer der Bilder hatten oft keine andere Wahl. Obwohl Putin jetzt mit Worten und Bomben die Ukraine angreift, haben es RT und Sputnik vermieden, die gegen die Bührle-Sammlung geäußerte Kritik im Sinne von Putins „Entnazifizierung“ zu instrumentalisieren.

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