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WDR-Dokus „Menschen hautnah“ : Die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit

  • -Aktualisiert am

Irgendwo müssen die Protagonisten ja herkommen: Marionetten der Puppentheatersammlung Dresden Bild: dpa

Beim WDR liefen in einer Reportage-Reihe Filme, die nicht ganz den Fakten entsprachen. Dahinter steckt ein Konzept dokumentarischen Fernsehens, das zu Inszenierung und Verfälschung einlädt.

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          „Es war einfach zu dramatisch, um wahr zu sein“ – diesen bemerkenswerten Satz äußerte Michele Anderson, Bewohnerin der amerikanischen Kleinstadt Fergus Falls, in einem Interview zum Nachgang der Relotius-Affäre beim „Spiegel“. Claas Relotius hatte sie, mitsamt ihrer Nachbarschaft, als Hinterwäldler der Trump wählenden Provinz porträtiert. Der Reporter bediente vorgefasste Klischees, die Einzelheiten dachte er sich aus. Der Skandal trifft das Magazin „Spiegel“ ins Mark und muss der Branche zu denken geben. Dabei betrifft das Problem übermäßiger Inszenierung nicht nur die Presse, sondern auch das Fernsehen – in ganz besonderem Maß.

          Seit einem Vorfall in der WDR-Dokureihe „Menschen hautnah“ rumort es in der Fernsehbranche. Eine Autorin hatte in drei Filmen, die sie für die Reihe drehte, Fehler begangen. Sie hatte ihre Protagonisten auf fragwürdige Weise rekrutiert. Der Sender gestand Versäumnisse ein und tut so, als sei das Problem gelöst. Die betroffene Autorin, hieß es, erhalte keine Aufträge mehr. In einer Episode von „Menschen hautnah“ hatte sie ein Ehepaar vorgestellt, das behauptete, nicht aus Liebe geheiratet zu haben. Die Protagonistin der Folge war schon in zwei vorangegangenen Episoden aufgetaucht, jedoch trug ihr Ehemann da einen anderen Namen, außerdem stimmten Angaben zu Alter und Dauer der Beziehung nicht überein. Vor allem wurde, wie der WDR bekanntgab, die Gefühlslage der beiden „in unzulässiger Weise zugespitzt“. Die Autorin des Films verteidigte sich. „Ich habe Fehler gemacht in Alters- und Zeitangaben, aber ansonsten sind alle drei Filme komplett authentisch“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Sie fühle sich als „Bauernopfer“; auch andere öffentlich-rechtliche Redaktionen begingen Fehler.

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