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Islamistin bei „Anne Will“ : Frauenbeauftragte mit Vollschleier

So hat sich Nora Illi einschlägig als eine jener Menschenfängerinnen ausgewiesen, um die es am Sonntag im „Tatort“ und bei Anne Will ging. Doch soll man sie, um der Anschauung und der Konfrontation willen, in eine Sendung mit fünf Millionen Zuschauern einladen? Die Redaktion der Sendung von Anne Will lässt auf Nachfrage die verantwortliche NDR-Redakteurin Juliane von Schwerin antworten: „Die Redaktion hat die Einladung von Frau Illi sorgfältig abgewogen. Für das gewählte Thema der Sendung und in Kombination mit den anderen Gästen hielten und halten wir ihre Teilnahme für vertretbar und richtig. Die Zusammensetzung der gesamten Diskussionsrunde und deren Leitung durch Anne Will hat zu einer ebenso angemessenen wie notwendigen Auseinandersetzung geführt. Die umstrittene Haltung von Frau Illi zum Beispiel zur Problematik der Ausreise von Jugendlichen nach Syrien ist deutlich zutage getreten und heftig debattiert worden. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer bot die Diskussion zahlreiche Erkenntnisse und Aufklärung zu einem Thema im Spannungsfeld zwischen Religion und freier Werteordnung, das unsere Gesellschaft beschäftigt.“

Das „Spannungsfeld“, das unsere Gesellschaft beschäftigt, ist ein weites. Nicht nur der Islamismus zählt dazu, sondern auch, um ein anderes Beispiel zu nennen, Rechtsextremismus und Fremdenhass. Würde die Redaktion von Anne Will in einem solchen Kontext ähnlich verfahren wie am Sonntag? Neonazis im O-Ton?

Oder sollte man Zynismus mit Zynismus begegnen wie der CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der sagt: „Wenn eine Frau mit Niqab in der Sendung einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt als Frauenbeauftragte präsentiert wird, dann habe ich die Sorge, dass man demnächst im deutschen Fernsehen Herrn Assad als Menschenrechtsbeauftragten ankündigt.“

Die Schweizer Bundesanwaltschaft warnte

Vorgewarnt war die Redaktion von Anne Will - durch die Schweizer Bundesanwaltschaft, wie die „Bild“-Zeitung berichtet: Die Bundesanwaltschaft der Schweiz sei „irritiert darüber“, dass dem „Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS) „im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Plattform geboten wird. Dies umso mehr, als dass der besagten Sendung vorgängig auf Anfrage hin mitgeteilt wurde, dass ein Strafverfahren anhängig ist gegen ein Vorstandsmitglied des IZRS sowie gegen Unbekannt.“ Bei dem Verfahren geht es um jemanden, der nach Syrien reiste und dies ihn propagandistischer Manier in einem Video dargestellt hat.

Vom Punk zur Niqab-Trägerin: Nora Illi am Sonntagabend bei „Anne Will“

Die „Haltung“ von Nora Illi zur Ausreise von Jugendlichen zur Mörderbande IS, die eine ganze Religion für sich gekapert hat, „umstritten“ zu nennen, wie dies die Anne-Will-Redakteurin formuliert, ist angesichts dessen schon reichlich euphemistisch. Zum Glück war das Anne Wills anderen Gästen nicht zu eigen. Sie sprachen Klartext und bewahrten die Moderatorin bei ihrer Gratwanderung vor einem bösen Absturz. Gerade noch.

Nora Illi verarbeitet ihren Auftritt in der Talkshow in erwartbarer Weise. „Offensichtlich“, schreibt sie bei Facebook, „hat mein Auftritt gestern das bequeme, stereotype Bild der unterdrückten muslimischen Frau, die es nun zu befreien gelte, ins Wanken gebracht“. Ihren „Essay“ zu „Syrien-Ausreisserinnen“ will Nora Illi, wie sie jetzt schreibt, nicht als Werbung verstanden wissen. Der IZRS habe vielmehr davor gewarnt und „den Kampf gegen die IS-Ideologie aufgenommen“. Davon merkte man in der Sendung von Anne Will freilich nichts.

Der Rundfunkrat des zuständigen Norddeutschen Rundfunks hat inzwischen angekündigt, sich in seiner nächsten Sitzung mit Illis Auftritt zu befassen. 

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