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Deutsche TV-Comedy : Amerika, du hast den besseren Witz

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Er wird laut, komisch ist das nicht: Mario Barth füllt mit seiner „Comedy“ ganze Stadien. Das ist kein gutes Zeichen. Bild: dapd

Manche glauben, die deutsche Comedy könne in der Welt mithalten, aber man muss nur einen Auftritt des Amerikaners Louis C.K. sehen, um zu wissen: Das ist ein tragischer Irrtum. Otto, Mario Barth und Co. werden es nicht mehr lernen.

          Vor einiger Zeit lieferte der kanadische Schauspieler Will Arnett in Jimmy Kimmels Late-Night-Show einen amüsanten Rapport über seinen Auftritt bei „Wetten dass ..?“ und bekannte, er sei aus einem bestimmten Grund fasziniert von der deutschen Mentalität: „Jokes don’t work at all!“ Er ist nicht der Erste, dem das auffällt, er wird nicht der Letzte sein.

          Deutsche Comedians nähern sich ihren Themen gerne im Brustton der Überzeugung, sie treten auf als Bescheidwisser, die die heiklen Untiefen der Ambiguität meiden wie der Teufel das Weihwasser. Der amerikanische Humor der vergangenen Jahre suhlt sich dagegen im Zweideutigen und Blamablen, er speist sich aus Selbstironie und Überforderung, er ist ein Medley aus Ängsten und Wünschen. Besonders stichhaltig wird das bezeugt von Lena Dunham, Erfinderin und Protagonistin in „Girls“, Dan Harmon, Chefautor der Sitcom „Community“ und mitverantwortlich für die Zeichentrickserie „Rick and Morty“, sowie Todd Barry, Stand-up-Comedian mit ganz eigenem, gehemmt-sprödem Charme. Deutscher und amerikanischer Witz finden schwerlich zusammen.

          Die „Generation Gag“ reißt Zoten

          Verzagen wird deswegen hierzulande kaum jemand, vertritt man doch zunehmend die Ansicht, unsere Komikware sei absolut satisfaktionsfähig. Das liegt unter anderem daran, dass die vom Radiosender 1Live ausgerufene „Generation Gag“ gerade auf ihrem Zenit angelangt ist. Zu dieser Korona gehört auch der 1989 geborene Luke Mockridge, der seine Stand-up-Verrichtungen gerne mit onkelhaften Rückschauen in die Neunziger spickt: „Wir sind ja die Generation, die noch gespielt hat! Wir haben noch gespielt, Alter!“ Und sobald er dann Kinder imitiert, die ihr Handy mühelos bedienen können, reißt es das Publikum von den Sitzen. Eindeutige Verhältnisse also: Früher war alles schöner.

          Anders verfährt Carolin Kebekus. Wenn sie mit pastosem Gettoslang den Saal hochkocht (und saftiges Minderheiten-Bashing betreibt), macht sie das, was Siebtklässler schon vor zwanzig Jahren besser beherrschten. Ein solches Witzerecycling ist symptomatisch für die deutsche Komik: Was einmal zündete, hat immer wieder zu zünden. Der unangefochtene Primus ist hier Otto, seine Scherztrias besteht seit Dekaden aus dem charakteristischen Kichern, dem charakteristischen Hopsen und dem charakteristischen Ausruf „Holladahidi“.

          Die erfolgreichste deutsche Comedy ist in der Regel entweder drollig (neben Otto etwa Ralf Schmitz) oder prollig (neben Mario Barth vor allem Atze Schröder). Alles dazwischen glänzt oft durch Absehbarkeit und Stilschwäche. Eckart von Hirschhausens schlitzohriges Gefasel mutet so wenig attraktiv an wie Gerburg Jahnkes Vorliebe für elanfrei heruntergesagte Altherrenpointen. Dieter Nuhrs Beiläufigkeit unterwältigt genauso wie Mirja Boes’ zuverlässig falsch temperiertes Gemüt. Und während Oliver Welke die „heute show“ viel zu bemüht, ja angestrengt moderiert, wirkt John Oliver, der das hervorragende amerikanische Pendant „Last Week Tonight“ präsentiert, wie ein scharfsinnig-heiterer Schlawiner mit bestechenden Argumenten.

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