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Rapper Kollegah legt nach : Von wegen Respekt

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Stark anfangen, schwach aufhören: Die Rapper Kollegah (links) und Farid Bang kommen zu der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo. Bild: dpa

Erst verteidigte der Rapper Kollegah seine wegen Antisemitismusvorwürfen in die Kritik geratenen Textzeilen im Namen der Kunstfreiheit, dann distanziert er sich. Nun zeigt er in einem neuen Interview: Aus dem „Echo“-Eklat hat er nichts gelernt.

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          Es ist kaum ein halbes Jahr her, dass die Rapper Kollegah und Farid Bang die Republik in Aufregung versetzten. Anlass war die Textzeile „mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“. Für das Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“, auf dem sich das Lied mit der Zeile findet, bekamen die Rapper den „Echo“. Ob der antisemitischen Aussage entbrannte eine Kontroverse. Der Musiker Campino war mutig genug, noch auf der Bühne zu kritisieren, was da ausgezeichnet wurde, zahlreiche Musiker gaben ihre Preise zurück, der „Echo“ wurde abgeschafft. Die beiden Rapper nahmen die Kunstfreiheit für sich in Anspruch und sprachen von einem Stilmittel. Im „Stern“ kündigte Kollegah dann jedoch eine „Provokationspause“ an. Er besuchte Auschwitz und zeigte sich geläutert.

          In einem Interview auf dem Portal „HipHop.de“ offenbarte er nun wieder seine andere Seite. Die Abschaffung des „Echos“ verbucht er als persönlichen Sieg, sieht sich als Opfer einer „Hetzkampagne“ und vergleicht im nächsten Atemzug die Judenvernichtung mit der Situation der Palästinenser heute. In Palästina passiere „im Prinzip genau das Gleiche“, sagt Felix Blume alias Kollegah, „was bei uns mal passiert ist, in Deutschland, nämlich während des Holocausts“. Angesprochen auf die Gleichsetzung der Judenvernichtung mit der Situation zwischen Israel und den Palästinensern, ergänzt er: „Was ist schlimmer, die Leute zu vergasen oder zu zerbomben? Das systematische Töten ist der Punkt.“ Das werde „heute auf der Welt praktiziert, mehr als je zuvor“.

          Pogrome, Entrechtung, Deportation, industrielle Vernichtung von sechs Millionen Juden ist „im Prinzip das Gleiche“ wie die heutige Lage der Palästinenser? Nach der Rückfrage des Moderators setzt Kollegah auf Schuldumkehr: Das, was die Deutschen damals den Juden antaten, dürfe es nirgendwo wieder geben. Aus der historischen Verantwortung heraus seien gerade die Deutschen in der Pflicht, sich gegen Ungerechtigkeit zu stellen und Völkermorde zu verhindern. Sein Tenor ist klar: Die einstigen Opfer erscheinen heute als Täter. Das darf man wohl als Relativierung der NS-Verbrechen und Antisemitismus in Reinform bezeichnen. Auf das nächste Album von Kollegah muss man in diesem Sinne wohl gespannt sein. Wenigstens einen „Echo“ kann er dafür nicht mehr bekommen. Das Echo seines politischen Programms, das sich nicht nur in einer Liedzeile ausdrückt, hallt derweil auf Schulhöfen und in Jugendzimmern fort.

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