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„South Park“ unter Verschluss : Was Streamingdienste streichen

Screenshot aus „South Park“: Die Freunde versammeln sich um Cartmans Amazon Echo. Bild: southpark.de / Rechte: Comedy Central

Die BBC kassiert eine Folge der legendären Serie „Fawlty Towers“ ein. HBO versieht „Vom Winde verweht“ mit einem Warnhinweis. Dass fünf Episoden von „South Park“ gesperrt sind, hat aber einen besonderen Grund. Einen besonders üblen.

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          Im Windschatten der Rassismus-Debatte geht so manche notwendige Differenzierung unter. Die hätte man zum Beispiel dringend den Verantwortlichen des zur BBC gehörenden Streamingdienstes UKTV angeraten, welche die Folge „The Germans“ der legendären Comedyserie „Fawlty Towers“ von und mit John Cleese vor zwei Wochen einkassierten.

          Das stieß nicht nur bei dem Monty-Python-Mitgründer auf Unverständnis, der noch einmal zum Mitschreiben erklärte, dass man Äußerungen, die man Figuren im Film in den Mund lege, deswegen noch lange nicht teile, sondern im Gegenteil sublime Kritik an ihnen äußere.

          Es dauerte einen Tag, bis man sich bei UKTV eines Besseren besann. Es folgte die Ankündigung, man werde „The Germans“ wieder ausstrahlen – versehen mit dem Verweis, das Programm könne „möglicherweise beleidigende Inhalte und Sprache“ enthalten. So halten es in diesem Fall auch die Dienste Britbox und Netflix. Gestrichen worden war die „Fawlty Towers“Episode, weil sie angeblich „rassistische Verunglimpfungen“ enthalte.

          Darauf kann man freilich nur kommen, wenn einem jeder Sinn für Humor, Ironie und Satire abgeht. Der fehlende Sinn für diese Kunst, von der Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen, ist seit Jahr und Tag auch ein Problem für die Cartoonserie „South Park“. Von deren Machern wird alles und jeder durch den Kakao gezogen, und zwar kräftig. Die Moral von der Geschicht lautet am Ende aber immer auf Toleranz, Weltoffenheit und menschenwürdiges Miteinander. Ausgestellt werden Neid, Missgunst und Ausgrenzung.

          So verhält es sich auch mit den fünf Folgen, die das jüngst gestartete Streamingportal HBO Max, das den Film „Vom Winde verweht“ aus dem Programm strich und dann mit Warnhinweis wieder einstellte, von „South Park“ nicht vorhält. Sämtliche 23 Staffeln der Serie hat HBO Max bei Comedy Central und den South Park Studios eingekauft. In der Branche ist davon die Rede, es seien fünfhundert Millionen Dollar gezahlt worden.

          Es fehlen nur fünf Folgen, in denen – der Prophet Mohammed eine Rolle spielt. Das jedoch haben die Produzenten angeblich so bestimmt: Sie haben drei der fünf Episoden auch selbst von ihrer Website entfernt. Niemand bekommt sie zu sehen, nicht bei „South Park“, nicht bei HBO Max und nicht auf dem Portal Hulu. Mit der Befürchtung, man habe Grenzen überschritten, oder dem positiven Aspekt, dass auf Rassismus stärker geachtet wird, hat das nichts zu tun. Im Gegenteil: Die Produzenten sind massiv von Leuten bedroht worden, die meinen, sie hätten den Propheten beleidigt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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